Ausgetrocknet

Opernwelt - Logo

Die Sängerinnen und Sänger des Staatstheaters Karlsruhe verbeugen sich beseelt lächelnd nach der im Mai live gestreamten Premiere von Giacomo Puccinis «Gianni Schicchi» in Richtung Kameras. Ansonsten bleibt es still. Das Publikum ist abwesend. Wenn die Oper keine einseitig kommunizierende Röhre ist, dann war die zu Ende gegangene Spielzeit eine katastrophale, die nicht stattgefunden hat. Das «Kraftwerk der Gefühle» hat zwar Strom produziert, da man vielerorts nicht untätig blieb, aber die Energie pumpte lediglich Wasser in Speicherreservoirs.

Ob es von dort wieder herausströmen wird, um erneut Strom zu erzeugen, wird sich noch zeigen.

Die Austrocknung ist auf beiden Seiten schmerzhaft fühlbar, auf der der Produzierenden und auf der der Rezipierenden. Pandemiebedingt ist ein Klimawandel auch in der Opernwelt erfahrbar. Die Schritte der Bewältigung sind in dieser künstlichen Welt so erkennbar wie in der natürlichen. Doch bleiben sie hier wie dort von einer gewissen Hilf- und Ratlosigkeit geprägt. Vor spärlich besetztem Publikum oder gar keinem werden Vorstellungen online vermittelt. Oft sind es die altbewährten Stücke, die jene Publikumsströme generierten, die nun aber gar nicht ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 114
von Bernd Künzig («SWR», Baden-Baden)

Weitere Beiträge
Obdachlos

Zunächst ist da die Trauer über die beträchtliche Anzahl an aktiven oder in den Ruhestand getretenen Künstlerinnen und Künstlern und Bühnenmitarbeiterinnen und Bühnenmitarbeitern der amerikanischen Opernhäuser, die wir in diesem bizarren, tragischen Jahr durch Covid verloren haben – darunter Kammersängerin Arlene Saunders und Dirigent Joel Revzen. Dann die traurige...

Alles auf Anfang?

Beginnen wir mit einem Zitat von Carolin Emcke, aus deren Pandemie-Tagebuch: «Wenn wir jetzt nicht nachweisen, was wir können, wenn wir jetzt nicht begründen, warum es uns, die wir Geschichten erzählen, fiktive oder nicht-fiktive, die wir die Wirklichkeit verwandeln oder beschreiben, die wir Trost spenden oder Wissen vermitteln, die wir Wörter oder Konzepte wiegen...

Danaergeschenk

Ich saß freudig nervös im Großen Festspielhaus, im Kopf tanzten die Erinnerungen an 40 Salzburger Festspieljahre Walzer, die Ouvertüre zu Mozarts Oper «Così fan tutte» stieg fauchend aus dem erhöhten Orchestergraben, die Paare sangen ihre falschen Liebesschwüre himmlisch schön, und dann passierte es: Tränen kullerten über die Maske. Verfluchte Musik, unergründbar...