Ausgetrocknet
Die Sängerinnen und Sänger des Staatstheaters Karlsruhe verbeugen sich beseelt lächelnd nach der im Mai live gestreamten Premiere von Giacomo Puccinis «Gianni Schicchi» in Richtung Kameras. Ansonsten bleibt es still. Das Publikum ist abwesend. Wenn die Oper keine einseitig kommunizierende Röhre ist, dann war die zu Ende gegangene Spielzeit eine katastrophale, die nicht stattgefunden hat. Das «Kraftwerk der Gefühle» hat zwar Strom produziert, da man vielerorts nicht untätig blieb, aber die Energie pumpte lediglich Wasser in Speicherreservoirs.
Ob es von dort wieder herausströmen wird, um erneut Strom zu erzeugen, wird sich noch zeigen.
Die Austrocknung ist auf beiden Seiten schmerzhaft fühlbar, auf der der Produzierenden und auf der der Rezipierenden. Pandemiebedingt ist ein Klimawandel auch in der Opernwelt erfahrbar. Die Schritte der Bewältigung sind in dieser künstlichen Welt so erkennbar wie in der natürlichen. Doch bleiben sie hier wie dort von einer gewissen Hilf- und Ratlosigkeit geprägt. Vor spärlich besetztem Publikum oder gar keinem werden Vorstellungen online vermittelt. Oft sind es die altbewährten Stücke, die jene Publikumsströme generierten, die nun aber gar nicht ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 114
von Bernd Künzig («SWR», Baden-Baden)
Weder das Stück noch sein Schöpfer sind allzu bekannt. Allein deswegen war es eine Großtat des Pariser Théâtre du Châtelet, die Operette Vlan dans loeil von Hervé (der mit bürgerlichem Namen Louis Auguste Florimond Ronger hieß) in einer kecken, fulminant komischen Inszenierung in Paris zu präsentieren. «Pierre-André Weitz’ Regie addiert in eigener Ausstattung...
Sie waren beispiellos flexibel, unsere Opernhäuser in der Saison 20/21! Mit immer neu ausgetüftelten Distanzmodi im Zuschauerraum. Auf der Bühne wird mit Metermaß die Abstandeinhaltung geprüft. Chöre und Orchester singen und spielen, per Glasfaser zugeleitet, aus Probenräumen, so etwa im Züricher «Boris Godunow». Reduzierte Fassungen erlauben faszinierend neue...
Lange noch dürfte sie in Erinnerung bleiben, diese überlange Spielzeit der Einschränkungen und Absagen, des Ausweichens, Umplanens und der Entschleunigung. Hinter uns liegt eine Phase oft ungewohnter Seh- und Hörerfahrungen, der Entzugserscheinungen und Ersatzhandlungen, der immer wieder neuen Hoffnungen oder Vertröstungen. Und ein Ende ist nicht wirklich in Sicht.
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