Obdachlos

Zunächst ist da die Trauer über die beträchtliche Anzahl an aktiven oder in den Ruhestand getretenen Künstlerinnen und Künstlern und Bühnenmitarbeiterinnen und Bühnenmitarbeitern der amerikanischen Opernhäuser, die wir in diesem bizarren, tragischen Jahr durch Covid verloren haben – darunter Kammersängerin Arlene Saunders und Dirigent Joel Revzen. Dann die traurige Tatsache, dass viele Künstlerinnen und Künstler und Angestellte wegen der ausgefallenen Vorstellungen und daraus resultierenden Einnahmeverluste ihre Wohnungen aufgeben mussten – manche auf Zeit, manche für immer.

Einige Kompanien fanden Mittel und Wege, um ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zumindest teilweise weiterzubeschäftigen und zu versichern; andere, insbesondere die Metropolitan Opera, taten das nicht. Wie berichtet, verließen im April des vergangenen Jahres 40 Prozent der Orchestermusikerinnen und Orchestermusiker New York, zehn Prozent gingen in den Ruhestand. Die Vertragsverhandlungen mit dem Met-Orchester verliefen ergebnislos, sogar dann noch, als die Met Produktionen strich und – mithilfe der von Trump initiierten Visa-Komplikationen – ausländische Künstlerinnen und Künstler wieder auslud.

Einige sehr ...

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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 132
von David Shengold («Opera News», «Time Out», New York)

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