Aus zweiter Hand
Den Psychothriller des italo-amerikanischen Neoveristen mit dem grotesken Bilderbogen des seriellen Nachkriegsavantgardisten, sprich: Gian Carlo Menottis «The Medium» und Bruno Madernas «Satyricon», zu einem Doppelabend zusammenzuspannen, mochte zunächst irritieren, erwies sich aber als höchst hintersinnige, ja geradezu spannende Konfrontation zweier nur scheinbar unvereinbarer Welten. Bei beiden Werken handelt es sich um Musik aus zweiter Hand.
Während Menotti im effektvollen Eklektizismus der 1947 am Broadway uraufgeführten Erfolgsoper seinen Personalstil findet, bedient sich Maderna in der 1973 kurz vor seinem Tod fertiggestellten Zitatcollage so hinterfotzig wie wirkungssicher aus der Operngeschichte.
Menotti zieht den Zuschauer in die Geschichte hinein, Maderna zeigt ihm, brutal und resigniert zugleich, die Fratze. Auf diesen Kontrast ist der Abend gestimmt, szenisch wie musikalisch. Für Menotti hat Kaspar Glarner einen hermetischen Raum entworfen, in dem Hans Walter Richter das psychopathologische Beziehungsdrama mit großer Realistik inszeniert und sich dabei sichtlich an des Komponisten eigene Verfilmung hält. Baba glaubt nicht an die spiritistischen Séancen, die sie ihren ...
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Opernwelt August 2019
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Uwe Schweikert
Frau Oropesa, Sie haben mit 25 das Lindemann Young Artist Development Program der Metropolitan Opera in New York abgeschlossen. Macht es das Sängerleben leichter oder schwieriger, wenn man gleich an der Met einsteigt?
Es macht es schwierig, weil man sofort schwimmen muss. Man hat keine Zeit, erst mal die Zehen ins Wasser zu strecken. Entweder du bleibst oben oder...
Seine berühmte Abhandlung «Jenseits des Lustprinzips», in der erstmals der Begriff des Todestriebs entwickelt wird, veröffentlichte Sigmund Freud 1920. Im gleichen Jahr kam das heute wieder oft gespielte Werk eines anderen Wieners auf die Welt: Erich Wolfgang Korngolds «Tote Stadt». Eine frappierende Parallele. Die erfolgreichste Oper des frühreifen Komponisten...
Herr Vandenhouwe, wozu braucht man eigentlich Musikdramaturgen?
Wenn man zum Beispiel mit Schauspielregisseuren oder Choreografen arbeitet, die keine Erfahrung mit Oper haben, muss jemand da sein, der sie auf die Besonderheiten des Musiktheaters vorbereitet ...
Also Künstler wie Johan Simons, der zwar keine Noten liest, aber Beethovens «Fidelio», Wagners...
