Ungestillter Sehnsucht Drang
Für die Griechen war es das Paradies auf Erden, noch im Neuen Testament ein Ort des Segens: der Garten Eden. Betrachtet man das Cover des vorliegenden Albums, das dessen Namen im Titel trägt, beschleichen einen Zweifel an der Plausibilität dieses Mythos: Mag die florale Tapete noch die Aura des Naturhaft-Schönen in sich bergen, deutet schon der knorrige Kaktus auf dem kleinen Stehtisch eher auf eine widerspenstige Angelegenheit. Blickt man dazu noch in die finster-trüben Mienen der Sopranistin Eva Resch und des Pianisten Eric Schneider, muss man um ihr Seelenheil bangen.
Doch keine Angst: Hier wird mit Seherwartungen gespielt und, wiewohl mit gewöhnungsbedürftig-skurriler Ironie, die Kehrseite des Paradieses gezeigt. Den beiden Künstlern geht es gut, sie benötigen keine Hilfe. Schon gar nicht für jene Lieder, die, mal im nahen, mal im weiten und weitesten Sinn, thematisch Bezug auf den biblischen locus amoenus nehmen.
Im Zentrum steht Schönbergs Liedzyklus auf das «Buch der hängenden Gärten» von Stefan George (1909). Ein Mann begegnet in der exotischen Umgebung eines Paradiesgartens einer Frau, die er augenblicklich erobern will. Doch ihm schwant, dass er verbotenes Terrain ...
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Opernwelt August 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Jürgen Otten
JUBILARE
Gabriella Tucci studierte an der Accademia di Santa Cecilia bei Leonardo Filoni. Ihr Debüt gab die Sopranistin 1951 in Spoleto als Leonora in Verdis «La forza del destino» an der Seite Beniamino Giglis, zwei Jahre später sang sie in der legendären Aufführung von Cherubinis «Medea» mit Maria Callas in Florenz die Partie der Glauce – ein Meilenstein ihrer...
Karlheinz Stockhausens monumentaler Musiktheaterzyklus «Licht» scheint Konjunktur zu haben: Anfang Juni hatte das Holland Festival mit 14 Stunden immerhin die Hälfte in Szene gesetzt, vier Wochen später realisierte nun Le Balcon zwei Vorstellungen des «Samstag» in Paris, nachdem es im vergangenen Herbst bereits den «Donnerstag» an der Opéra Comique herausgebracht...
Über Geschmack soll man ja eigentlich nicht streiten. Aber der Buhrufer, der sich beim Premierenapplaus in der Mailänder Scala über den Dirigenten heiser brüllt, besitzt zweifellos einen merkwürdigen. Ist Michele Mariotti doch gelungen, was bei Giuseppe Verdis «I masnadieri» alles andere als einfach ist: dem eher selten gespielten Werk zumindest musikalisch eine...
