Aus zweiter Hand
Fünf Holzstühle, vorn rechts. Fünf Grablichter. Vor jedem Stuhl eines. Sonst ist nichts zu sehen, wenn zu Beginn des dritten Aufzugs die Streicher trauertrunken, «mäßig bewegt», in sehrendem Klageton verkünden, dass dem liebesglühend-todessüchtigen Paar auf Erden wohl nicht mehr zu helfen ist. Kareol liegt im Dunkel. Im opaken Dunst eines Nirgendwo. Zum leeren Screen wird hier der Raum. Zu einer Tafel, auf der, in Tristans Fiebermonolog, Traumbilder schimmern, Halluzinationen – und gleich wieder verblassen.
Marienblaue Isolde-Erscheinungen schweben da in milchig-trüben Dreiecksrahmen. Ungreifbar, körperlos stehen sie ab vom schwarzen Grund. Verschwinden im Boden, verlieren den Kopf, schwitzen Blut, sobald Herr Tristan naht. Sinken zurück in die alles umfangende Nacht.
Die Idee, in Bayreuth ein «unsichtbares Theater» zu «erfinden», ist nicht neu. Wagner selbst soll sie – laut Cosima – bereits 1878 in die Welt gesetzt haben. Vor gut zehn Jahren wäre es beinahe Wirklichkeit geworden: In «totaler Finsternis» wollte der dänische Filmregisseur Lars von Trier («Melancholia») den «Ring» spielen lassen, den er dann doch nicht inszenierte. Nur durch winzige, durch den Guckkasten wandernde ...
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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Albrecht Thiemann
Spricht man von Nordamerika, so meint man nicht selten fast reflexhaft die Vereinigten Staaten, denkt aber kaum an das flächenmäßig vergleichbare Kanada, das, anglophon und frankophon, zum Commonwealth gehört. Immer noch ziert die Queen die Geldscheine – und das Wort «Royal» manche Institution. Entsprechend sind die Beziehungen zwischen US-Amerikanern und Kanadiern...
Frau Soffel, verstehen Sie sich eher als Sängerin oder als Singschauspielerin?
Ich komme von der Geige her, und es gab eine Zeit, da habe ich Bach, Pergolesi und Monteverdi über alles geliebt. Dann kamen neue Minenfelder. Man lernt – ein bisschen von Regisseuren, noch mehr vom Leben. Heute empfinde ich den Ausdruck «Singschauspielerin» als großes Kompliment.
Vom...
Brünnhilde will nicht. «Heil, dir, Sonne!» drei, vier, fünf Meter über dem Boden? «Da kann ich nicht frei singen», sagt Judith Németh. Das Schwanken, der Schwindel, das Herzrasen. Schon der Blick auf die Gondel, in der die Walküre im dritten «Siegfried»-Akt aus der Tiefe auffahren soll, dem Liebeslicht entgegen, bis das wallende Brautkleid die Bühne füllt, macht...
