Akute Schönheit

Puccini: La Bohème
BIELEFELD | THEATER

Opernwelt - Logo

Opernkritiker zu sein, das bedeutet manches Mal, mit dem eigenen Zynismus klarkommen zu müssen; mindestens aber mit dem Zynismus, der irgendwie in der Luft liegt, wohnt man einer Premiere an einem «großen» Hause bei. Diese Mischung aus Voreingenommenheit, Müdigkeit und vorauseilender Schadenfreude – wir kennen sie alle. Seien wir ehrlich.

Dieser Zynismus ist an so manchem «kleinen» Hause meistens nicht nur plötzlich wie weggeblasen, sondern in Wahrheit gar nicht mehr existent; ja, die – höchst willkommene! – «Gefahr», jeglichen Zynismus in Momenten der Aufrichtigkeit, der Schönheit, der Liebe dranzugeben: begehrt, begehrenswert. Begehrenswert ist es freilich nicht, wenn einem Hause wie dem Theater Bielefeld pandemiebedingt kurz vor der Premiere der halbe Chor und einige Solistinnen und Solisten abhandenkommen. Ja, bisweilen mussten sogar völlig fachfremde Sänger eingesetzt werden, um die Ausfälle zu kompensieren. Doch: Diese Situation ermöglichte nun, bei der Premiere von Puccinis Verismo-All-Time-Favorite «La Bohème» einfach mal hemmungslos zu weinen. Wegen akuter Schönheit in der Not. Selbstreferentialität, die Erste!

Regisseurin Julia Burbach erzählt die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2022
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Arno Lücker

Weitere Beiträge
Bürgerschreck, Bonvivant und Bühnenzauberer

Damals, 2003, mussten denkfähige Opernregisseure statt irrlichternder Shitstorms im Netz noch richtig analoge Protestgewitter aushalten, wenn sie die Sehgewohnheiten traditioneller Opernbesucher angegriffen hatten oder wenn sich politische und religiöse Gruppierungen durch widerständige Theaterideen ideologisch diskreditiert fühlen durften. Hans Neuenfels, der sich...

Piff, paff, pöffchen

Don Pasquale ist Witwer. Frau und Kind sind früh verstorben, sie werden vom rührselig geigenden Kunstsammler schon in der Ouvertüre betrauert. Auch seiner gigantischen Sammlung aus Büchern, Korallen und von der Decke herabhängenden Fabeltieren und Missgeburten hat er sich mit einer barocken Halskrause historisch angeglichen: ein melancholisch-schönes Bild des...

Apropos... Neuland

Herr Carp, Sie haben gerade an Ihrem Haus Massenets «Manon» inszeniert. Ihre fünfte Musiktheaterinszenierung. Welche Qualitäten muss ein Stück mit Musik haben, um Sie als Schauspielregisseur anzusprechen?
Sehr schwierige Frage … Es ist ganz spezifisch, wie auch bei Dramen. Das einzige Kriterium, das ich nennen könnte: Es muss Menschen erzählen. Oder ich muss das...