Aus eigener Kraft
Eine Woche Vorlauf brauche er. Doch dann habe er «17 Varianten von zur Verfügung stehenden Produktionen». Sprach der Chef Anfang April, als das Gärtnerplatztheater noch im Zwangsschlaf darniederlag. Ganz so viel sind es nicht geworden, aber 70 Termine vor anfangs 50, dann 100, schließlich 200 Zuhörern, damit kann Josef E. Köpplinger sich und seinem Team auf die Schulter klopfen. Es war eine wochenlange Feier des Ensembletheaters, mit der man sich aus dem Lockdown tastete.
Münchens Volksoper steht hier stellvertretend für viele Häuser, die auf eigene Kräfte, eigene Ideen und eigenes Improvisationstalent vertrauten; Stuttgart war ein weiteres leuchtendes Beispiel.
Kein Mensch macht anderen Unternehmen einen Vorwurf, dass sie sich mit Stars auch zu Corona-Zeiten Ruhm leihen und erkaufen. Aber es fiel schon auf, dass Wiesbaden Wagner mit Promi-Gästen zu Klavierbegleitung offerierte oder die Bayerische Staatsoper ihre Haushelden Jonas Kaufmann und Christian Gerhaher für die gestreamten «Montagskonzerte» gleich mehrfach verpflichteten. Solche Möglichkeiten hat man am Gärtnerplatz nicht – und, das zeigte das Saisonfinale: Man braucht sie auch gar nicht.
Nicht alles glückte ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Markus Thiel
Sie könnte die musikalische Gattung der Stunde sein. Weil sie den Menschen in nicht gerade einfachen Zeiten ein bisschen Ablenkung verschaffte, im besten Fall Unterhaltung auf hohem Niveau. Und weil sie immer flexibel auf die jeweiligen Gegebenheiten zu reagieren, sich ihnen anzupassen wusste. Diese Flexibilität zeichneten die Operette und ihre Macher von jeher...
«Beaucoup de douceur et de sensibilité» verlangt Jean-Baptiste Lemoyne von Theseus’ unglücklichem Sohn Hippolyte bei dessen Abschied von den Jagdgefährten. Der blindwütige Vater schickt ihn ins sichere Verderben. Ein großes elegisches Chor-Tableau hält in der sich anbahnenden Katastrophe die Zeit an. Der weite Spielraum des Ausdrucks der Leidenschaften, die Balance...
Herr Williams, Sie haben als Musiklehrer angefangen ...
Mein Vater war Geschäftsmann. Profi-Musiker kamen in unserer Welt nicht vor. Natürlich hörte ich sie im Radio oder sah sie im Fernsehen, aber ich ging davon aus, dass sie das zum Spaß machen – denn was könnte Musik anderes sein?
Dabei waren Sie doch selbst, wie fast alle Sänger in Großbritannien, schon im...
