Aus der Zeit gefallen
Alle 42 Opern auf einen Schlag? Das muss eine Ente sein. Ist es aber nicht. «Wir haben das wirklich vor», sagt Tobias Wolff nach der Dernière des «Imeneo», mit der am Pfingstmontag die diesjährigen Göttinger Händel-Festspiele zu Ende gingen. In vier Jahren hofft der seit 2012 amtierende Intendant, den Marathon präsentieren zu können, zum 100. Geburtstag des 1920 gegründeten, ältesten Alte Musik-Festivals der Welt.
Natürlich können Wolff und Laurence Cummings, der Nachfolger des langjährigen Künstlerischen Leiters Nicholas McGegan, nicht alles aus eigener Kraft stemmen, erst recht nicht alles szenisch, im gerade mal 500 Zuschauer fassenden großen Saal des kleinen Deutschen Theaters. Man denke über verschiedene Aufführungsformate und Spielfassungen nach – und einen Schulterschluss mit den Händel-Festen in Halle und Karlsruhe.
Ob dann Prachtstücke wie der im Badischen eingeschlagene «Radamisto», mit dem die auf das Gesten- und Bewegungsvokabular des Barocktheaters spezialisierte Belgierin Sigrid T’Hooft den internationalen Durchbruch schaffte (OW 4/2009), oder eine Vollversion ihrer für die erste Göttinger Spielzeit unter Cummings und Wolff konzipierten, durch Sachzwänge allerdings ...
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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Albrecht Thiemann
Jacopo Foroni gehört zu den vielen Vergessenen der Musikgeschichte. Den 1825 geborenen Italiener verschlug es nach der 1848er-Revolution nach Stockholm, wo er sich mit seiner Oper «Cristina, regina di Svezia» einführte, Hofkapellmeister wurde, aber schon 1858 an der Cholera starb. Man tut ihm keinen Gefallen, wenn man die 2007 in Göteborg erstmals wieder gespielte...
Amerikanische Oper? Ein Schmerzenskind. Die wichtigsten Beispiele, George Gershwins «Porgy and Bess», Scott Joplins «Treemonisha» und Leonard Bernsteins «Candide» tendieren zum Jazz, zum Ragtime oder zum Musical; Samuel Barbers «Vanessa» war ein Misserfolg. Erst im Rahmen der Minimal Music, bei John Adams, Steve Reich und Philip Glass, kommt die Gattung idiomatisch...
Diese Geschichte ist ein echtes Stück Charleston. Der Schiftsteller DuBose Heyward wurde in der Stadt geboren, er verbrachte sein Leben hier, und die Charaktere und Plätze seiner «Porgy»-Erzählung empfand er denen nach, die er auf der Straße, in Lokalen oder in den Kirchen sah. Der gebürtige New Yorker George Gershwin war mit Charleston immerhin besuchsweise...
