Aus der Zeit gefallen
Alle 42 Opern auf einen Schlag? Das muss eine Ente sein. Ist es aber nicht. «Wir haben das wirklich vor», sagt Tobias Wolff nach der Dernière des «Imeneo», mit der am Pfingstmontag die diesjährigen Göttinger Händel-Festspiele zu Ende gingen. In vier Jahren hofft der seit 2012 amtierende Intendant, den Marathon präsentieren zu können, zum 100. Geburtstag des 1920 gegründeten, ältesten Alte Musik-Festivals der Welt.
Natürlich können Wolff und Laurence Cummings, der Nachfolger des langjährigen Künstlerischen Leiters Nicholas McGegan, nicht alles aus eigener Kraft stemmen, erst recht nicht alles szenisch, im gerade mal 500 Zuschauer fassenden großen Saal des kleinen Deutschen Theaters. Man denke über verschiedene Aufführungsformate und Spielfassungen nach – und einen Schulterschluss mit den Händel-Festen in Halle und Karlsruhe.
Ob dann Prachtstücke wie der im Badischen eingeschlagene «Radamisto», mit dem die auf das Gesten- und Bewegungsvokabular des Barocktheaters spezialisierte Belgierin Sigrid T’Hooft den internationalen Durchbruch schaffte (OW 4/2009), oder eine Vollversion ihrer für die erste Göttinger Spielzeit unter Cummings und Wolff konzipierten, durch Sachzwänge allerdings ...
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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Albrecht Thiemann
Sehnsuchtsvoll, todesverliebt, ozeanisch ist Wagners «Tristan»-Musik. Auch kosmisch: Ein Gefühl von «Unendlichkeit» verströme sie, meint Pierre Audi, dessen erste «Tristan»-Erfahrung ins Jahr der Mondlandung 1969 fiel. Da war er zwölf. Seither ist für ihn Wagners Schritt ins chromatische Universum vom «großen Schritt für die Menschheit» nicht zu trennen.
Jetzt hat...
Es sind meist die Mittelmäßigen, von denen man etwas über die Zwänge und Bedingtheiten einer Epoche erfährt, mehr jedenfalls als von den ganz großen Talenten. Solch ein Mittelmäßiger war der Komponist NICOLA ZINGARELLI – jedenfalls nach dem Höreindruck, den die Wiederaufführung seiner erfolgreichsten Oper «Giulietta e Romeo» im Salzburger Haus für Mozart...
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