Welthistorie, kurz gefasst
Ein bemerkenswerter, ein großer Stoff von weltgeschichtlicher Relevanz – und eine bemerkenswert konzise Umsetzung. Wo andere – wie etwa Thomas Mann in seinem «Fiorenza»-Drama – mit breitem Pinsel den Kontrast ausmalen zwischen lebensbejahender Renaissance und dem asketischen, von religiösem Fanatismus geprägten Mönchstum Savonarolas, schafft Volker David Kirchner es tatsächlich, die Problematik der Epoche in einer knappen Musiktheaterstunde exakt zu umreißen.
Der auch früher schon zu beobachtende Hang des Komponisten zum Aphoristischen findet in diesem Alterswerk, das er im Untertitel ein «Szenisches Purgatorium» nennt, seine vielleicht präziseste Realisierung: in mosaikartig zusammengesetzten Kurzszenen, getragen teils von rhythmischem Sprechen, teils von sanglichen Passagen, grundiert durch ein variabel abgetöntes Orchester sowie einen vielfältig eingesetzten Chor. Dabei entstehen Klänge von höchst suggestiver Wirkung, eigenwillig in ihrer stilistischen Prägung. Avantgardistisches mischt sich mit Traditionellem, ohne dass der Komponist der Gefahr des Eklektizismus erliegt oder sich in reinem Schönklang verliert. «Für mich ist die Tradition ein Kapital; vierhundert Jahre Musik, ...
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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Gerhart Asche
Mit ihrem Debüt-Recital «Jardin nocturne» verabreicht uns Isabelle Druet eine konzentrierte Dosis französischer Salon-Melancholie. Das Programm ist riskant, denn die 19 Lieder von sieben französischen Komponisten umkreisen die immer gleiche, depressive Nachtstimmung. Da droht Monotonie. Zumal sich das Repertoire literarischer Requisiten bald erschöpft. Das...
«Madama Butterfly» ist immer wieder Sentimentalität vorgeworfen worden. Ein rezeptionsgeschichtliches Missverständnis? Bei der Mailänder Uraufführung 1904 zumindest wurde das Werk keineswegs als exotisches Rührstück wahrgenommen, sondern als Provokation. Die Premiere bescherte Puccini ein Desaster, es kam ob der deutlich formulierten, massiven Sozial- und...
Hans von Bülow war immer gut für ein Bonmot. Mit seiner Formulierung von den drei «großen Bs» brachte er einst den Musikgeschmack einer ganzen Epoche auf den Punkt: Bach, Beethoven, Brahms. Drei «große Bs» sollten und sollen auch nächstes Jahr den Festtagen der Berliner Staatsoper Glanz verleihen, wobei das B von Berlin nicht einmal mitgezählt ist. Es reicht die...
