Gift, Mord und Rosenkranz

Karlsruhe: Ponchielli: La Gioconda

Opernwelt - Logo

Die Oper aller Opern – Mozarts «Don Giovanni» wird gern so genannt.

Wer allerdings Amilcare Ponchiellis «La Gioconda» in Karlsruhe wieder einmal begegnete, winkt da nur ab: Ach was! Vereinigt nicht vielmehr dieser ausgebuffte Venedig-Kracher, für den der Librettist Arrigo Boito nicht mal seinen Namen hergeben mochte (er zeichnete mit dem Anagramm Tobia Gorrio), all die Ingredienzien, die des Königstitels würdig sind? Liebe und Treulosigkeit, Edelmut und Verrat, Denunziation und Scheintod, Ehre und Hass, Gift und Mord – und ein Rosenkranz, der samt seinem eigenen Motiv eine wichtige Rolle spielt: Wo käme das so rekordverdächtig zusammen wie hier? Dazu: eine Kontrastdramaturgie, in der Tanztrubel ohne Pause auf Orgelandacht, Serenadenheiterkeit auf die Totenglocke trifft, das Grand-Opéra-Tableau auf die erwachende Verismo-Rabiatheit. Und das vertraute Motiv der vertauschten Tränke leistet auch hier gute Dienste.

Bisweilen schwante einem, die Regisseurin Annegret Ritzel hätte am Badischen Staatstheater ein distanziertes Ausstellen all dieser wohlfeilen Bestandteile im Auge gehabt. Doch dazu fehlt dem, was auf das anfängliche Feuerwerk mit Konfetti-Regen folgte, die Ironie der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Heinz W. Koch

Weitere Beiträge
Zwischen großer Oper und Komödienstadel

Sie schleppt sich dahin, die Wiederent­deckung des Opernkomponisten Georg Philipp Telemann. Zwar steht immer wieder eines seiner Bühnenwerke auf dem Spielplan eines deutschen Opernhauses, doch belegen diese Aufführungen meist vor allem Unentschlossenheit – zwischen den Polen hausgemachten Ensembletheaters und his­torisierendem Spezialistentum hat sich bislang noch...

Bein(kleider)freiheit

Man kann sich bei Barrie Kosky auf einiges verlassen: seinen Hang zur Überbetonung, zum Showhaften, zum Gag. Aber mit ein bisschen Glück mischt sich zum Glamour auch die starke Geste, zum Vorlauten auch das stille Moment.

Für Letzteres ist im hannoverschen «Ring», der jetzt mit «Siegfried» in die Zielgerade einbiegt, vor allem das stumme Erda-Double zuständig:...

Gänsehaut

Er hat ja schon etwas von einer Maschine, dieser Kalaf. Wie er stählern und furchtlos der grausamen Prinzessin gegenübertritt und ohne den Schatten eines Zweifels seinen Plan durchzieht, bis sie ihm gehört. Wohl deswegen wird er häufig als Machtmensch in-
szeniert. Mariusz Trelinski will es in Warschau anders machen: Ein Intellektueller ist Kalaf, sagt er, voller...