Aus der Ruhe kommt die Kraft
Dass «Der fliegende Holländer» erst ab 1901 in Bayreuth gespielt wurde, ist kein Zufall. Wagner wollte das, was er als Entwicklung von der Oper zum Musikdrama erstrebt und erkämpft hatte, keineswegs zurückdrehen. Als Nummernoper hatte der «Holländer» wenig mit dem später avisierten Gesamtkunstwerk zu tun. Wenn Wagner mehr Zeit geblieben wäre, hätte er alle seine Stücke für Bayreuth umgeschrieben. So blieb es seiner Witwe Cosima und ihren Kapellmeistern überlassen, zumindest interpretierend aus den Opern «Musikdramen» zu machen.
Man muss sich diesen historischen Vorlauf vergegenwärtigen, um die «Holländer»-Aufnahme unter Hans Knappertsbusch angemessen zu verstehen. Und umgekehrt: Wenn man diesen Mitschnitt von 1955 hört (es war der einzige Festspielsommer, in dem «Kna» das Frühwerk leitete), erschließt sich ganz direkt, was es mit dieser Metamorphose auf sich hatte.
Knappertsbusch hatte noch von Hans Richter und Felix Mottl gelernt. Sein «Holländer» ist nicht einfach nur langsam, er ist vollgesogen mit Urgewalt, mit Schicksalhaftem. Das Meer, man hört es schon bei den ersten akzentdurchsetzten Tremoli der Ouvertüre, kann gar nichts anderes sein als Symbol des Lebens. Was heißt hier ...
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In seiner Schrift «Werk und Wiedergabe» von 1929 schimpfte Hans Pfitzner gegen gewissenlose «Spielleiter», die den Geist der «Meisterwerke» verfälschen würden. Es gebe eine klare Hierarchie zwischen schaffenden und nachschaffenden Künstlern; ein «schöpferischer Interpret» sei ein Widerspruch in sich selbst. Das Schlagwort hieß damals «Klassikertod». Einige Jahre...
Die keusche Jungfrau kommt von rechts. Irrlichternd ihr Blick, ängstlich an den Körper gepresst Hände und Gebetbuch, unsicher der Gang. Kein Zweifel, sie fühlt sich unwohl in diesem Umfeld, inmitten der Heiden, unfrei, beklommen. Zum Glück ist da ein Stuhl, er bietet Schutz, aber nur für Sekunden. Denn sofort nimmt direkt neben ihr breitbeinig der römische...
Die Szenerie war imposant. Die Wiener Philharmoniker füllten in voller Breite die Felsenreitschule, links hoch oben thronte die Schlagwerk-Gruppe auf einem gesonderten Podest. Rechts hing eine riesige Video-Wand mit grauweißer Grundmusterung, darunter war der Chor, die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor, postiert. Links hinten erstreckten sich sechs oder...
