Aus der Heimat hinter den Blitzen rot
Die Formel kennt man hauptsächlich aus der amerikanischen Sportsphäre, zumal aus dem Boxring: «They never come back.» Will sagen: Der besiegte Champion wird kaum noch einmal den Thron besteigen (wenige Ausnahmen bestätigen diese Regel). Nun ist «Rückkehr» ein vergleichsweise neutraler Begriff: Man kommt von einer Urlaubsoder Geschäftsreise zurück, nach Hause. Bei «Heimkehr» indes schwingt «Heimat» mit, nicht selten Nostalgie, Sehnsucht nach einer vergangenen, verblichenen Welt. Sie zu verlassen, konnte utopisch sein, aber auch aus der Not heraus geschehen.
Die Auswanderer aus Osteuropa, Irland oder Italien zog es ins «Gelobte Land» von Freiheit und Wohlstand: in die Vereinigten Staaten von Amerika. Die Emigranten freilich, die vor dem NS-Terror flohen, verließen ihr Land meist alles andere als frohgemut, allenfalls erleichtert, mit dem Leben davongekommen zu sein.
Von den unzähligen Künstlern, die in den 1930er-Jahren Mitteleuropa verlassen mussten, in Amerika überlebten, hat es manche nach «Good old Europe» zurückgezogen. Thomas Mann und Paul Hindemith gingen in die Schweiz, Bertolt Brecht und Hanns Eisler nach Ost-Berlin. Frühere Komponisten wiederum assimilierten sich fern der ...
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Opernwelt Jahrbuch 2022
Rubrik: Wiederentdeckung des Jahres, Seite 53
von Gerhard R. Koch
Kein anderer Schriftsteller ist auf der Opernbühne so präsent wie E.T.A. Hoffmann, aber nicht mit einem eigenen Werk, sondern als Titelheld von Jacques Offenbachs doppelbödiger Opéra fantastique «Les Contes d’Hoffmann», die zu den populärsten Stücken des Musiktheaters gehört. Den wenigsten Zuschauern dieser genial doppelbödig zwischen Fantasie und Realität...
Eine streng geregelte Kindheit habe er gehabt, sagte Georg Kreisler einmal. Diese Kindheit begann am 18. Juli 1922 in Wien und nicht am 25. Dezember, wie die jenes in «Für was bist du gekommen?» (1966) besungenen Kindes, das alle möglichen Wünsche von seiner (jüdischen) Familie unter die Babyachsel zahlreicher potentieller schlechter Gewissenszustände geklemmt...
Frau Mielitz, Sie haben Ruth Berghaus, deren Inszenierung von Rossinis «Il barbiere di Siviglia» von 1967 nach wie vor auf dem Spielplan der Berliner Staatsoper steht, noch gekannt. Was haben Sie von dieser Frau gelernt oder auch nicht gelernt?
Ich habe es immer als großes Privileg empfunden, schon während meines Studiums Ruth Berghaus, Harry Kupfer, Joachim Herz ,...
