Aus der Flüstertüte
Man kommt nicht sofort darauf. Zu abstrakt klingt beim ersten Hinhören, bei der ersten Begegnung der Titel des neuen Stücks von Ruedi Häusermann, zu intellektuell überhöht, als dass man sogleich auf die Idee verfiele, es könnte sich bei «Gewähltes Profil: Lautlos» ganz und gar profan um eine Einstellung handeln, die sich auf den meisten Mobiltelefonen findet.
Eben diese Einstellung gab die Überschrift für das Opus novum, das jetzt in einer Koproduktion von schauspielhannover, der Staatsoper Stuttgart und den Opernfestspielen München realisiert und in der niedersächsischen Landeshauptstadt uraufgeführt wurde.
Zugrunde liegt ein Streichquartett. Häusermann, der auch Regie führte, hat es im Auftrag der Bayerischen Staatsoper komponiert. Es ist ein, man wundert sich kaum, leises, eindrückliches Stück, welches vor allem das Hören selbst thematisiert, weil nur das konzentrierte Hören die Nuancen erfahren kann. Man vernimmt ausziselierte Linien, hier und da ein Fragment von Clus-ter, flirrende, fragile Gespinste aus Tönen, verhuscht irgendwie, flüchtig, fliehend. Und ebenso ist die Welt, die auf der Bühne von Philipp Nicolai und Ruedi Häusermann dargestellt wird. Nichts Massiertes, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Auch wenn man es ihm nicht sofort anmerkt: Musikalisch ist «Lohengrin» durch und durch ein Werk des Übergangs. Bis zum «Rheingold», wo sich das Motivgewebe radikal und frei ausbreitetet, bleibt ein weiter Weg. Noch kleben die Themen eng an dem, was Wagner später als «quadratische Tonsatz-Konstruktion» verspottete. Noch sind ihre Metamorphosen begrenzt, ihre...
Dass Peter Sellars die Haare zu Berge stehen, ist nicht Ausdruck emotioneller Exaltiertheit, sondern gehört zu seinem Styling. Den Schrecken tragen bei seinen Inszenierungen eher jene davon, die missverständlich glauben, Werktreue heiße, ein Stück zu spielen «wie es im Büchel steht». Wobei sie im Grunde nicht die Herstellung der Uraufführungsbedingungen fordern,...
Das deutsche und österreichische Repertoiresystem, im Einzelnen schon durch die normative Kraft des Faktischen in Frage gestellt, hat mit den Pariser Operngepflogenheiten wenig gemein. Das einzige Opernhaus, das sich mit deutschen Bühnen vergleichen lässt, ist die Opéra National mit ihren beiden Spielstätten Opéra de Bastille (2700 Plätze) und Palais Garnier,...
