Aus den Angeln gehoben
Der Teufel mag es ungebärdig und ein wenig billig. Das ist seine Welt, da kennt er sich aus. Er mag den Zinnober, zündet Flämmchen an und hetzt die Masse auf, in der Hölle nur noch das Wort «Hass» zu skandieren. Ein schlimmes Wort, das hier noch gefährlicher zischt als sonst schon. Ein Tierlaut – sieht man davon ab, dass Tiere nicht hassen. In einer der schönsten Szenen des Abends greift Méphistophé-lès aber auch in die Saiten seines Basses und begleitet den Song von Marguerite.
Diese ist weder die Unschuld vom Lande noch aus der Stadt; Abspaltungen von ihr mögen die Gretchen-Klischees bieten, sie selbst jedoch ist ein wenig abgelebt. Man interessiert sich dadurch erst recht für sie. Mag sein, Méphistophélès ist ihr Zuhälter: Es geht hier um allerhand, aber gewiss nicht um Moral.
Sebastian Baumgarten hebt am Staatstheater Kassel Berlioz’ «La damnation de Faust» aus den Angeln und lässt die «dramatische Legende» dann auf den Boden fallen, wo sie in viele Stücke zerbricht. Jetzt heißt sie nur noch «Faust» und gebärdet sich als ein «Musiktheater nach …». Dennoch ist das auf seine Weise ein sanfter Vorgang. Berlioz verzichtete darauf, «La damnation» als Oper zu bezeichnen, auch hatte ...
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Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Judith von Sternburg
In der Wüste verstummt die Zivilisation. Nirgendwo ist man so gottverlassen – und Gott zugleich so nah. Eine mystische, todbringende Weite, die jene anzieht, die in der Enge der Welt keinen Platz finden. Für ihre Kammeroper «Song from the Uproar» ließ sich die US-amerikanische Komponistin Missy Mazzoli von der Lebensgeschichte der Wüstenreisenden Isabelle Eberhardt...
Im Übergang vom 17. zum 18. Jahrhundert waren Opernaufführungen in Rom verboten. Die amtierenden Päpste sahen im weltlichen Musiktheater Symptome menschlicher Verdorbenheit, die es zu bekämpfen galt. Die römischen Liebhaber und Förderer der Musik wussten sich aber zu helfen und gaben statt Opern Oratorien in Auftrag, die sie nicht in Theatern, sondern in privaten...
Natürlich muss man, fällt der Begriff der «Heimat», sogleich an Edgar Reitz denken, an sein epochales Filmepos gleichen Namens. Und natürlich hält die philosophische Literatur jede Menge schlaue Sentenzen zu diesem Topos bereit. Etwa die des stets heimatverbundenen, urdeutschen Denkers Martin Heidegger. In seinem Hauptwerk «Sein und Zeit» sinniert er über unser...
