Aus dem Pappkarton
Was tut ein Opernregisseur, wenn er Richard Wagners «Götterdämmerung» einem Theater als Einzelstück versprochen hat und danach unerwartet den gesamten «Ring des Nibelungen» angeboten bekommt? Auf das Einzelstück verzichten, auf den Zyklus verzichten oder gleich alles liefern? Der Australier Barrie Kosky, dem das Neinsagen offenbar schwer fällt, hat sich für die dritte Lösung entschieden – und sitzt damit jetzt in der Klemme.
Denn mit seiner Inszenierung der «Götterdämmerung» am Aalto-Theater in Essen hat er sich selbst die Pointe gestohlen – nicht für Essen, wo die vorangegangenen «Ring»-Teile von verschiedenen Regisseuren auf die Bühne gebracht wurden, sondern für das Staatstheater Hannover, wo Kosky seit 2009 den «Ring» allein stemmt. Und wer «Das Rheingold» und «Die Walküre» an der Leine gesehen hat («Siegfried» ist für April 2011 terminiert), dem wird in Essen so mancher Wiedergänger begegnen: eine splitternackte Greisin (Margareta Waterkamp), die als Urmutter Erda (allzu) oft stoisch die Bühne überquert; eine blutbeschmierte Waltraute (Ieva Prudnikovaite mit großem, eindringlichem Mezzo) aus dem Personal jener Mädchen von der Tankstelle, die in der «Walküre» Männer morden; ...
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