Auf in den Kampf! Peter Schöne (Guillaume Tell); Foto: Theater/Martin Kaufhold
Entschweizert
Neues Team, neuer Schwung. Zum Auftakt seiner Intendanz in Saarbrücken nahm sich Bodo Busse eines Meisterwerkes an, das mit den drei Reitergalopp-Minuten seines Geschwindmarsch-Ouvertürenschlusses unsäglich populär ist, während die restlichen dreieinhalb Stunden kaum mehr bekannt sind. Aufführungen dieses für Halévy, Meyerbeer und den jungen Wagner wegweisenden Pionierstücks der «französischen» Grand Opéra bedürfen beträchtlicher künstlerischer Anspannung, vor allem einer die exorbitanten Anforderungen der Hauptpartien erfüllenden Sängerbesetzung.
Insbesondere was Letztere angeht, konnte man an der Saar trumpfen. Mit dem Tenor Sungmin Song stand ein Arnold auf der Bühne, der die emphatischen Höhenflüge seiner Tessitura mit bewundernswerter Kernigkeit absolvierte, ohne dabei Ermüdungserscheinungen zu zeigen. Ähnlich brillant die angenehm klare, kühle Sopranstimme von Pauliina Linnosaari (Mathilde). Mit seiner Tell-Diktion imponierte Peter Schöne nicht durch bärenhaft durchdringende Baritonwucht, sondern den differenzierten Einsatz seines perfekt fokussierten Materials. Auch der düster timbrierte Gesler (Hiroshi Matsui), die mit Wärme intonierende Hedwige (Judith Braun) und der seine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Vor einigen Monaten beklagte Reinhard Goebel, Gründer und langjähriger Leiter des legendären Ensembles Musica Antiqua Köln, eine überbordende Entdeckerwut der Alte-Musik-Szene: Es würden viel zu viele Werke ans Tageslicht befördert, die man lieber im Staub der Archive hätte weiterschlafen lassen sollen. Die Kompositionen, die auf den hier vorzustellenden Alben zum...
James Joyce zu übersetzen, ist kühn genug. Ihn zu vertonen, mindestens ambitioniert, wenn nicht verwegen. Rebecca Saunders hat es versucht, in «Yes», einer «räumlichen Performance für Sopran, 19 Solist*innen und Dirigent», die als Auftragswerk des Musikfestes Berlin vom Ensemble Musikfabrik (Leitung: Enno Poppe) uraufgeführt wurde. Wenn man so will, als Antidot zu...
Es gibt auch noch gute Nachrichten aus der Türkei. Zum Beispiel, dass das Grimm’sche Märchen von den Bremer Stadtmusikanten dort ebenfalls sehr populär ist – als «Bremen Mızıkacıları». Zumindest behauptet das die Komische Oper Berlin auf ihrer Webseite. Jetzt hat sie mit Attila Kadri Sendil einen türkischen Komponisten beauftragt, die diesjährige Kinderoper zu...
