Aus dem Leben eines Taugenichts
Die anderen an den Händen fassen. Gegen das Scheinwerferlicht an die Rampe laufen, lächeln, sich verbeugen. Wieder zurück. Noch einmal. Und noch mal.
Ob mir das wohl fehlt, wenn ich irgendwann aufhöre? Mal ehrlich, Applaus bringt nicht immer das Beste im Menschen zum Vorschein. Erstaunlich, wie schamfrei manche Kollegen um den besten Platz in der Applausordnung rangeln. Dabei kann man die Meinung des Publikums dabei ja wohl kaum noch nach oben korrigieren. Also, ich jedenfalls nicht. Oder liegt das nur daran, dass ich es falsch mache?
Es gibt ja diese Applaustypen.
Zum Beispiel den Sterbenden Schwan, äh, Sopran. Sehr beliebt bei Cio-Cio-Sans. Das gesamte Ensemble ist schon draußen, nur die Primadonna nicht. Aller Augen warten auf dich, Herrin! Und dann – da! Endlich. Sie kommt. Schleppt sich herein, als ginge es schier über ihre Kräfte nach all den großen Gefühlen. Wenn das Publikum zu toben beginnt, fabriziert sie einen naiv-erstaunten Gesichtsausdruck, wie um zu fragen: «Was, ich?». Und lässt sich ermattet in einen tiefen Knicks fallen. Seeeehr tief. So tief, dass man glatt glaubt, sie schafft’s nie wieder hoch.
Oder der Held in Strumpfhosen, die Hosenrolle. Eine stramme Mezzo ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Mal ehrlich, Seite 91
von Christopher Gillett
Sie reden wieder miteinander. «Alexander Pereira im Gespräch mit Franz-Welser Möst», hieß es in der Einladung zum Pressegespräch vor der «Rosenkavalier»-Premiere. Ein aus der Not geborenes Arrangement, ein Zweckbündnis. Es ist noch gar nicht so lange her, da hätte man sein letztes Hemd verwettet, dass der Herr Generalmusikdirektor von der Wiener Staatsoper nicht...
Bei den Opernfestspielen in Heidenheim hat man in der diesjährigen Jubiläumssaison zum 50-jährigen Bestehen des Festivals auf die sattsam erprobte Zwangsvermählung zweier musikdramatischer Eifersuchtsdramen aus Italien gesetzt, Ruggero Leoncavallos Einakter «Der Bajazzo» mit Pietro Mascagnis «Cavalleria rusticana». Aber auf ungewöhnliche Weise miteinander...
Die Lage hat sich weiter zugespitzt. Konfrontiert mit wachsenden Defiziten der New Yorker Metropolitan Opera, nahm sich Intendant Peter Gelb vor, die Personalkosten drastisch zu senken – und forderte von den Mitarbeitern einen Lohnverzicht in Höhe von 16 Prozent (siehe OW 6/2014). Die Musiker hingegen werfen Gelb vor, das Geld für teure, aber schlecht laufende...
