Liebeswahn, geerdet

Wagner ohne Rausch: «Tristan und Isolde» in Stuttgart, inszeniert von Jossi Wieler und Sergio Morabito, dirigiert von Sylvain Cambreling

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Sie sind Meister des psychologischen Realismus. Das haben Jossi Wieler und Sergio Morabito mit vielen Arbeiten bewiesen, zuletzt mit der Uraufführung von Mark Andres spirituellem Musiktheater «wunderzaichen» (siehe OW 4/2014). So überrascht es nicht, dass sie auch ein anderes fast handlungsloses, scheinbar der Realität enthobenes Weltentsagungswerk wie «Tristan und Isolde» – Nietzsche hat es als das «eigentliche opus metaphysicum aller Kunst» bezeichnet – nicht mythisch vernebeln, gar erhöhen, sondern handfest theatralisch verorten.

Bert Neumann nahm dafür beim Puppentheater Maß. Sein Schiff, das die irische Königstochter Isolde nebst Dienerin zur Zwangsheirat nach Cornwall bringt, ist ein hölzerner, in den Pappmaché-Wogen heftig schlingernder Kahn. Zwei zusammengeschnürte Bündel, obenauf ein grotesker Kopfschmuck und ein Spinnrad sowie eine am ­segellosen Mast vertäute Standuhr sind die Habseligkeiten, die Isolde mit sich führt. Was die Regie hier auf engstem Raum an gestisch-mimischem Körperspiel entfaltet, schließt nicht nur die Figuren und deren Psyche auf, sondern reicht – wann je hätte man in einer «Tristan»-Aufführung gelacht? – bis zum kruden Aberwitz, etwa wenn Isolde sich ...

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Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Uwe Schweiker

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