Aus dem Leben eines Taugenichts
Es ist was Furchtbares passiert. Meine erste eigene Inszenierung hatte Premiere. Natürlich dachte ich, es läuft auf das Übliche hinaus, also ein Ergebnis im Bereich des Mittleren bis Mäßigen oder meinethalben Miesen. Dann könnte ich die Aktion als Abenteuer verbuchen und weitermachen wie bisher: an netten Häusern Randpartien mimen. Und schöne Summen kassieren dafür, dass ich mir gemütlich kaffeetrinkend den Allerwertesten plattsitze, während die Hauptrollen sich ihren aufreißen.
Jetzt geht der meine mir auf Grundeis. Denn dummerweise hat der Abend den Leuten gefallen.
Schlimmer: Ich soll noch mal. Natürlich kann das einfach Pech gewesen sein. Trotzdem muss ich mir jetzt ernsthaft Gedanken machen, ob das eine Perspektive wäre. Und das klingt nach mehr Arbeit, als mir lieb ist. Das Regieführen sowieso – aber auch das Gedankenmachen. Ich kenn mich ja. Das wird ein Vollzeitjob mit Nachtschichten.
Mal ehrlich: Ich dümple hier gemütlich im Herbst meiner Gesangskarriere rum, völlig unbehelligt vom Zwang, große Pläne zu schmieden und mich zu verkaufen. Mein Ehrgeiz schlummert wie warme Kohlen im weichen Aschebett, soll ich die wirklich noch mal anpusten? Schon gut – ich weiß, ich hab mich ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Mal ehrlich, Seite 69
von Christopher Gillett
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