Die Sache mit dem Zölibat
Bereits Ende November wurde in Aachen bekannt, dass GMD Kazem Abdullah seinen 2017 nach fünf Jahren auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird. Diese Nachricht kommt überraschend und ohne Angabe von Gründen. Abdullah hat mit der Nachfolge des umtriebigen Marcus Bosch 2012 kein leichtes Erbe angetreten und konnte, vielleicht aufgrund seiner eher scheuen Art, die Popularität des Vorgängers bislang nicht erreichen. Dabei hat er das von Bosch erarbeitete Niveau mehr als nur gehalten – was er nun mit «Tannhäuser», seinem ersten Aachener Wagner-Dirigat, eindrucksvoll unterstrich.
Das Theater-Schmuckkästchen empfiehlt sich für romantische Klangfluten nur eingeschränkt, dennoch blickt man hier auf eine beachtliche Wagner-Tradition zurück. Abdullah belichtet «Tannhäuser» nicht durch die Linse des späten («Parsifal»-)Wagner, sondern spürt in der Partitur des erst 32-jährigen Komponisten einen Brio-beschwingten Ton auf, der einerseits an die deutsche Spieloper von Weber und Lortzing, aber auch an Meyerbeers Grand Opéra anknüpft. Diese Brillanz bekommt dem Stück ausgezeichnet, es moussiert geradezu, auch wenn die trockene Akustik den Klangfluss stellenweise auflaufen lässt.
Gewöhnungsbedürftig ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Regine Müller
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