Aus dem Geist der Aufklärung

Laurenz Lütteken nähert sich Mozart auf ungewohnten Wegen

Unweit des Tiefurter Schlosses steht es, weithin unbeachtet. Ein Denkmal für Wolfgang Amadé Mozart, errichtet vom Schweizer Johann Heinrich Meyer. Im eigentlichen Sinne aber ist es kein Denkmal, weil es denjenigen, dem es huldigen will, gar nicht zeigt. Auf dem Sockel, den die Inschrift «Mozart und den Musen» ziert, sieht man lediglich eine Lyra, Symbol für Apollon Musagetes.

Daran angelehnt – auch dies eine deutliche Hervorhebung des Metaphorischen dem Physiognomischen gegenüber – zwei Masken, eine mit tragischem, eine mit heiterem Ausdruck; sie lassen sich zweifelsfrei den Musen Melpomene und Thalia zuordnen und bezeichnen somit den Doppelcharakter jenes Bühnenwerkes, das bis heute als die «Oper aller Opern» gilt.

Johann Wolfgang von Goethe war es seinerzeit nicht nur zu verdanken, dass Mozarts «Don Giovanni» auf die Weimarer Bühne gelangte, sondern vor allem, dass es überhaupt eine Mozart-Rezeption im Herzogtum Sachsen-Weimar gab. Begonnen hatte der Geheimrat damit, als er im Todesjahr des Komponisten die Leitung des Hoftheaters übernahm; das erste dort vorgestellte Opus aus Mozarts Feder war «Die Entführung aus dem Serail»; es folgten die Da Ponte-Werke «Così fan tutte» und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Das Hackebeil der Königin

Die Welt ist eine Scheibe. Eine Drehscheibe, um genau zu sein. Eine die Bühne füllende, mit diskreter Beharrlichkeit rotierende kreisrunde Schräge. Alles dreht sich, alles bewegt sich – meist in Zeitlupe –, manchmal knarzt es wie im wirklichen Leben, und man könnte sich vorstellen, dass Bühnenbildnerin Katrin Lea Tag bei Donizettis «Maria Stuarda» am Theater an der...

Kopfkino

Die Tonart verheißt nichts Gutes: d-Moll, das klingt nach grimmig-versteinertem Komtur, nach Verderben, nach Tod. Aber genau darum geht es in diesem allegro assai moderato zu Beginn des zweiten Akts, das mit heftigen Oktavschlägen im Orchester einsetzt, zwischendurch beklemmend in die Stille hineinatmet und dann in den Celli jene schmerzensreiche...

Imbroglio

Im heutigen Opernbetrieb ist es nicht mehr leicht, Regisseure zu finden, die für Sensation sorgen oder zumindest für einen Skandal. Für einen ehrenvollen, versteht sich! Für den neuen Hamburger «Fidelio» setzte Intendant George Delnon auf eine andere Lösung: Er hat das Stück selber in Szene gesetzt, als Bebilderung vager Ideen über das Werk, mit einem auf den...