Augenzwinkernd
Das Orchester als Dialogpartner. Es wird zum wahrhaft verschmitzten Diskutanten. Schüttet Spott und Ironie über den Saiten aus, Schalk stiebt aus Flöten und Blech. Verdis «Falstaff» kann für ein Orchester im besten Fall zur schmucken Visitenkarte geraten, aber auch, im schlimmsten Fall, zum kollektiven Offenbarungseid. Das London Symphony Orchestra hat sich im Jahr seines 100. Geburtstags ein eigenes Geburtstagsgeschenk bereitet – den Mitschnitt einer konzertanten «Falstaff»-Aufführung, veröffentlicht in der orchestereigenen Reihe «LSO live».
Die Londoner sind in bester Spiellaune. Sie verleihen der Partitur ein Eigenleben, unterstützt durch eine famose, weil gleichermaßen direkte wie transparente Aufnahmetechnik. Wenn von «Falstaff» und einem kreuzfidelen Orchester die Rede ist, fällt der diskographische Blick sofort auf die Wiener anno 1966 unter Bernstein. Gut, die philharmonischen Streicher erzeugen Seidentöne, die Holzbläser blasen feinste Klangwölkchen. Doch darf sich diese von Colin Davis geleitete Aufnahme durchaus damit messen lassen, zumindest über weite Teile. Sie besticht durch Pfiff und Rasanz und, vor allem, durch eine geschlossene Mannschaftsleistung. Hier spielt ...
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