Augenrollen, Händespreizen
Gaspare Spontinis «Fernand Cortez» gilt als erster Schritt auf dem Weg zur Grand Opéra. Mit seiner Kunst, Massen zu bewegen und dramatische Höhepunkte zu statischen Tableaus einzufrieren, hat der Italiener sich gleich drei Herrschern angedient, nicht ohne die jeweiligen politischen Konstellationen systemstabilisierend gleich ästhetisch mitzureflektieren: 1809 Napoleon, 1817 dem Bourbonen Ludwig XVIII. und 1824 dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. Die Berliner Fassung hatte die Oper Dortmund für Mai geplant, die Premiere musste wegen der Corona-Pandemie auf 2022 verschoben werden.
Die erste, seit 1812 nicht mehr gespielte Fassung der Pariser Uraufführung kam im Oktober 2019 in Florenz heraus (siehe OW 1/2020).
Der jetzt erschienene Mitschnitt macht verständlich, warum diese erste große historische Oper so gut wie nie auf den Spielplänen auftaucht. Die beiden Handlungsebenen, der private Konflikt der mit Cortez liierten Azteken-Prinzessin Amazily und die militärische Eroberung Mexikos durch die spanischen Invasoren, laufen dramaturgisch weitgehend unverbunden nebeneinander her. Ein historisches Ideendrama, wie es später Meyerbeer entfaltet, lag Spontini noch durchaus fern. Dieser ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Uwe Schweikert
Seine wichtigste Quelle ist die Leere. Die Absenz aller Gedankenschwere. Den Kopf müsse er frei haben, um anfangen zu können. Um empfänglich zu sein für Ideen, Perspektiven, Erfahrungen, die sonst unbemerkt blieben. Für inwendige Energien von Menschen, Dingen, Werken, die sich nicht von selbst erschließen. Für die Essenz jener verborgenen existenziellen Kräfte, die...
Einige Kollegen haben sich mit unmöglichen Verträgen, Dienstverhältnissen und Paragrafen beschäftigt, die uns seit Jahren das Berufsleben schwer machen und nun in der Krise auf den Kopf gefallen sind. Das war ein Hauptthema in unserer Musikerfamilie und natürlich drehen sich nach wie vor viele Gespräche bis tief in die Nacht um genau diese Themen. Doch ich muss es...
Während dieser Zeit der Pandemie habe ich, wie einige andere darstellende Künstler, verschiedene Phasen durchlaufen. Zunächst eine tatenlose Depression darüber, plötzlich aus dem künstlerischen Leben gerissen zu sein, über all die abgesagten, metikulös vorbereiteten, zum Teil fertiggeprobten Projekte. Einige sind unwiederbringlich verloren, andere auf unbestimmte...
