Auftakt zum Finale
Sommerfestivals für Musiktheater gibt es an vielen Orten, doch nicht überall harmonieren Kulisse und Akustik so gut wie in Heidenheim. Nicht nur die über der Stadt thronende mittelalterliche Ruine des Schlosses, die in diesem Jahr mit Puccinis «Bohème» bespielt wurde, sondern auch das gegenüberliegende, als Festspielhaus genutzte großzügige Congress Centrum bieten eine Atmosphäre, die nicht alltäglich ist.
An einem kühleren Abend etwa konnte man sich glücklich auf einen mit allem Komfort inszenierten Pariser Weihnachtsmarkt versetzen lassen (einschließlich Schlittschuhen und Zuckerwatte) – bildete das vergleichsweise opulente Bühnenbild doch die Folie, auf der Petra Luisa Meyer ein mehr leichtfertiges als leichtes Leben inszenierte, weniger in ein historisiertes Quartier Latin als in die zeitlose Realität einer jungen, mittel- wie verantwortungslosen Generation eingebettet. Der Bruch zwischen erfrischend frecher Partystimmung und dem traurigen Ende fällt so noch schärfer aus – auch darstellerisch wie stimmlich von einem jungen, hoch motivierten Ensemble überzeugend umgesetzt.
Soweit die trefflich geglückte Pflicht. Doch die weit über die Region hinaus bekannten Opernfestspiele ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Magazin, Seite 97
von Michael Kube
Berlioz, szenisch? Gab es in Moskau lange nicht. Im Bolschoi Theater dirigierte Alexander Vedernikov 2002 «La Damnation de Faust» – konzertant. Überdies fehlten ihm damals, wie er selbst befand, zwei Wochen Probezeit. Der aktuelle Generalmusikdirektor, Tugan Sokhiev, führte im April dieses Jahres in einem Galakonzert Berlioz’ Requiem auf, wobei zwar der Chor des...
Neben Aribert Reimann hat sich kein deutscher Komponist so konsequent mit dem Klavierlied auseinandergesetzt wie Wolfgang Rihm. Erste Versuche sind von dem 13-Jährigen überliefert. Mit «Abendwolken» auf einen Text von Ludwig Uhland (unaufgeführt und unveröffentlicht, aber wohl archiviert) betrat der Karlsruher einen Kontinent, der ihm ein halbes Jahrhundert später...
Was für ein Finale! Zum Ausklang der Spielzeit setzte das Teatro Real einen bemerkenswerten Schlusspunkt, mit einem gänzlich «unspanischen» Stück: Bellinis «Puritani». Es war weniger die Inszenierung Emilio Sagis, eines studierten Anglisten, die den Erfolg begründete – die Regie blendet die politisch-historische Dimension aus, interessiert sich allein für die...
