Aufführung des Jahres
Der Dichter spricht. Und preist das Weib. Doch nicht irgendeines ist hier gemeint, sondern keine Geringere als die herzenswilde Königin der Amazonen: Penthesilea. «Zärtlichen Herzens gefühlvoll geweiht / Mit Hunden zerreißt sie, welchen sie liebt, und isst dann, Haut und Haare, ihn auf.» So beschreibt Heinrich von Kleist eine der schillerndsten Frauenfiguren der Antike. Liebende ist diese Frau und Gewalttätige zugleich, «halb Furie, halb Grazie», wie Achill sie bezeichnet.
Ein obsessiver Doppelcharakter, der aufgrund seiner psychologischen Diskrepanz nur schwer zu fassen ist – und wohl auch deswegen von vielen Regisseuren gemieden wurde; zu schwierig schien es wohl den meisten, die Ambivalenzen sichtbar zu machen, das In-Eins-Seiende von Liebe und Gewalt. Einer, der es früh versucht hat, ist Hans Neuenfels. 1981 brachte er Kleists Drama «Penthesilea» auf die Bühne des Berliner Schillertheaters, zwei Jahre später entstand der Film «Heinrich Penthesilea von Kleist». In der Folge der Wiederentdeckung und Etablierung von Othmar Schoecks Musiktheater «Penthesilea» (auch die Semperoper Dresden spielte das Werk in der vergangenen Saison) griff Neuenfels den Stoff erneut auf. Welche ...
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Fünfzig Makel in neununddreißig Minuten. Risse, Schmutz, Wasserflecken, Drop-Outs, Tonschwankungen, verblasste Farben, Unschärfen. Eine kapitale Mängelliste. Dabei war der 1969 belichtete «Othello»-Streifen nicht einmal der gravierendste Problemfall, den die Spezialisten der Hallenser Firma Digital Images während der Instandsetzungsarbeiten für jene DVD-Edition zu...
Vermutlich nie zuvor gab es ein Bühnenbild, das von so vielen Menschen gesehen wurde. Bei der Fußball-EM im vergangenen Juni nutzte das ZDF die Bregenzer Seebühnenoptik mit dem magischen blauen Riesenauge vor der dunklen Wand als Kulisse für die kommentierende Präsentation jenes Sportevents. Bereits in der Vorjahressaison hatten rund hunderttausend Besucher der...
Schon die Gattungsbezeichnung überraschte: Eine «Konzertoper» nannte Hans Werner Henze sein (vielleicht?) finales Musiktheaterwerk, das er komponierte, obwohl er zuvor glaubhaft versichert hatte, «L’Upupa und der Triumph der Sohnesliebe», 2003 in Salzburg uraufgeführt, sei seine letzte Oper. Dass dieser «Wortbruch» sich als glückliche Fügung erwies, wurde...
