Auf Wechselkurs

Die Stimme von Anna Caterina Antonacci erkennt man sofort: den warm timbrierten, schlackenlosen Klang, die brennende Intensität und Klarheit des Ausdrucks. Ein Gespräch über die Kunst, aus Schwächen Stärken zu machen

Opernwelt - Logo

Ihre Stimme ist ein Wunder des Wandels: Sie ­haben als Mezzo mit barockem Repertoire begonnen, dann kamen Mozarts Sopran-Partien, heute singen Sie Berlioz’ Cassandre. Wie ist diese ungewöhnliche Entwicklung zu erklären?
Das ist alles andere als ein Wunder! Als ich anfing, träumte ich von Norma oder Leonora, schließlich bin ich eine italienische Sängerin. Als mir klar wurde, dass ich Verdi nie würde singen können, war ich schwer enttäuscht. Ich hatte eine Stimme mit Grenzen, eine, der es an Dramatik fehlte.

Auch die Technik gab keinen Verdi her, meine ersten Lehrer waren nicht besonders gut ... Mit diesen Handicaps musste ich ein Repertoire finden. Zunächst war das der Barock – letztlich ein Glück. In jeder Hinsicht, auch intellektuell. Als ich in den 80er-Jahren anfing, konnten wir uns ja alle noch als Entdecker fühlen, selbst viele Händel-Opern waren noch unbekannt.

Sie haben sich in der Alten Musik mit dem Mezzo-Fach begnügt?
Ich war immer ein Sopran, aber einer mit schwacher Höhe. Noch ein Handicap! Erst mit 38 habe ich einen richtig guten Lehrer gefunden.

Wie übersteht man zehn Jahre mit schlechter Technik?
Mein Instinkt hat mich beschützt. Wenn man jung ist, kann man viele ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Regine Müller

Weitere Beiträge
Totenkopf und Teufelshörnchen

So problematisch Arrigo Boitos ideengeschichtliche Dämpfung der Erstfassung seines «Mefistofele» und der Rückgriff auf Elemente des traditionellen italienischen Melodramma sein mögen, das Werk enthält in seiner finalen Gestalt von 1875 etliche saftige Stücke fürs melomane Publikum und szenisch Packendes. Man muss das Lob ja nicht so überziehen wie Bernard Shaw, der...

Der Auftraggeber

Man muss ihn einen erfolgreichen Sisyphus nennen, und so sieht er sich auch selbst. Als Opernintendant in Amerika hat David Gockley den Stein der Ästhetik immer den Berg hochgerollt, um zu sehen, wie er auf der anderen Seite als Stein der kommerziellen Abhängigkeit wieder herunterrollte. Abgehalten von seiner unerschrockenen Politik der Innovation hat ihn das...

Überschätzt

Jacopo Foroni gehört zu den vielen Vergessenen der Musikgeschichte. Den 1825 geborenen Italiener verschlug es nach der 1848er-Revolution nach Stockholm, wo er sich mit seiner Oper «Cristina, regina di Svezia» einführte, Hofkapellmeister wurde, aber schon 1858 an der Cholera starb. Man tut ihm keinen Gefallen, wenn man die 2007 in Göteborg erstmals wieder gespielte...