Auf Wechselkurs
Ihre Stimme ist ein Wunder des Wandels: Sie haben als Mezzo mit barockem Repertoire begonnen, dann kamen Mozarts Sopran-Partien, heute singen Sie Berlioz’ Cassandre. Wie ist diese ungewöhnliche Entwicklung zu erklären?
Das ist alles andere als ein Wunder! Als ich anfing, träumte ich von Norma oder Leonora, schließlich bin ich eine italienische Sängerin. Als mir klar wurde, dass ich Verdi nie würde singen können, war ich schwer enttäuscht. Ich hatte eine Stimme mit Grenzen, eine, der es an Dramatik fehlte.
Auch die Technik gab keinen Verdi her, meine ersten Lehrer waren nicht besonders gut ... Mit diesen Handicaps musste ich ein Repertoire finden. Zunächst war das der Barock – letztlich ein Glück. In jeder Hinsicht, auch intellektuell. Als ich in den 80er-Jahren anfing, konnten wir uns ja alle noch als Entdecker fühlen, selbst viele Händel-Opern waren noch unbekannt.
Sie haben sich in der Alten Musik mit dem Mezzo-Fach begnügt?
Ich war immer ein Sopran, aber einer mit schwacher Höhe. Noch ein Handicap! Erst mit 38 habe ich einen richtig guten Lehrer gefunden.
Wie übersteht man zehn Jahre mit schlechter Technik?
Mein Instinkt hat mich beschützt. Wenn man jung ist, kann man viele ...
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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Regine Müller
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