Auswege
Opern-Tage» will das Festival in Rotterdam bieten. Unter dem Begriff wird an der Rheinmündung alles mögliche subsumiert: von objets trouvés über Klanginstallationen bis hin zu Essensschlachten in Reizwäsche. Gewiss, Gesang bekommen wir zu hören. Auch die eine oder andere Geschichte serviert. Aber Oper?
Man nehme etwa den diesjährigen «Parsifal»: Zwar spielt ein Instrumentalensemble, es wird auch gesungen, sogar ein paar der Leitmotive lassen sich ausmachen. Doch die Vorstellung beginnt in einem alten Kommunaltheater, auf der Bühne die Anwohner mit Kind und Kegel.
Zu Fuß geht es dann weiter zu einem verlassenen Bürogebäude, wo das Publikum, aufgeteilt in Teams, in ein komplexes Spiel verwickelt wird. Noch ein Spaziergang, und die Veranstaltung endet auf dem Dach eines Hauses. Arlon Luijtens «Parsifal»-Game ist mehr als eine Dekonstruktion des Originals: Es entwickelt sich eine musikalische Interaktion mit der Stadtlandschaft, inspiriert von Wagners Ideen.
Freies nach Wagner bietet auch «Operawandeling». In einer umgewandelten Garage, umrahmt von Kunstobjekten, erklingen Wesendonck-Lieder in einer Neufassung der Komponistin Annelies Van Parys (das von den Geschwistern Gable und Romy ...
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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Shirley Apthorp
Es sind meist die Mittelmäßigen, von denen man etwas über die Zwänge und Bedingtheiten einer Epoche erfährt, mehr jedenfalls als von den ganz großen Talenten. Solch ein Mittelmäßiger war der Komponist NICOLA ZINGARELLI – jedenfalls nach dem Höreindruck, den die Wiederaufführung seiner erfolgreichsten Oper «Giulietta e Romeo» im Salzburger Haus für Mozart...
Die Klassiker sind einfach nicht wegzudenken aus dem Repertoire. Das gilt auch für Rossinis exakt 200 Jahre alten «Barbier von Sevilla», der selbst angesichts einer Schwemme von Ausgrabungen, die inzwischen noch das obskurste Werk des italienischen Komponisten aus der Versenkung gespült hat, immer seine beliebteste Oper sein dürfte. Und bei einer schlagenden...
Volksstück, böse Satire, plattgewalzte Trash-Oper? Vor allem Letzteres. Ödön von Horváths bodenlose Spießertragödie «Geschichten aus dem Wiener Wald», die der Wiener Komponist HK Gruber 2014 bei den Bregenzer Festspielen als gleichnamiges Musiktheater präsentierte, in der Regie Michael Sturmingers (des Librettisten), ist nun in einer außer Rand und Band geratenen...
