Schlingensiefs letzte Idee
Ist die Guckkastenbühne des 18. und 19. Jahrhunderts ein Auslaufmodell?
Ich komme gerade aus Italien, wo Hunderte herrlich altmodischer Theater- und Opernhäuser leer stehen oder totgespart werden. Mein Lieblingstheater ist das Teatro Olimpico von Palladio in Vicenza: ein oval in die Breite gezogenes Amphitheater im antiken Sinne. Ein archaisch zeitloser herrlicher Raum, in dem ich gern Opern sehen würde.
Erstaunlicherweise sind aber selbst die modernsten Opernhäuser, wie sie gerade auf der Architekturbiennale in Venedig für China eindrucksvoll in fantastischen futuristischen Modellen vorgestellt werden, im Inneren mit traditionellen Rangtheatern mit Guckkastenbühnen ausgestattet. Auch das soeben eröffnete Opernhaus von Oslo, eine modernistische «Eisscholle», ist im Inneren ein traditionelles Rangtheater mit Guckkastenbühne, ja das Auditorium hat sich geradezu emphatisch die Semper-
oper von Dresden zum Vorbild genommen.
Diese gehört ja auch gewiss zu den besten Opernräumen der Welt, auch wenn Semper sie noch als traditionelles Rangtheater gebaut hat, welches allerdings durch den Wiederaufbau von Wolfgang Hänsch so unmerklich wie genial verändert und verbessert wurde. Semper wurde zum ...
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Herr Prof. Ligeti, in Ihrem Kommentar zur Entstehung der Oper «Le Grand Macabre» beschreiben Sie einen schöpferischen Entwicklungsprozeß, der – wie ich meine – für die Situation der Musik der Siebzigerjahre und des neuen Musiktheaters im besonderen sehr aufschlußreich und charakteristisch ist. Während der Arbeit an dieser Oper, Ihrem ersten großen Werk für das...
Frau Petersen, auf Ihrer neuen CD interpretieren Sie Liebeslieder von Robert Schumann – gemeinsam mit Anke Vondung, Werner Güra und Konrad Jarnot sowie den Pianisten Christoph Berner und Camillo Radicke. In dem Zyklus «Spanisches Liederspiel» op. 74 findet sich eine der wenigen Solo-Nummern: «Melancholie». Sie singen das, als ob Sie das Verzweifeln an der «Qual...
Liebermann: Sie greifen die Opernhäuser an und meinen die Autoren. Die Tatsache, daß die Komponisten Ihrer Ansicht nach keine Werke geschrieben haben, die die Musik weiterbringen oder bedeutungsvoll sind, heißt doch nicht, daß deswegen die Opernhäuser in die Luft gesprengt werden müßten. Die Komponisten sollten dann eher dran glauben; denn die Opernhäuser können ja...
