Auf Kamerafahrt
Während die Verlegung alter Geschichten in neue Zeiten und an neue Orte heute zum Handwerkszeug der Szenografie gehören, lohnt es sich vielleicht manchmal, den Blick aufs Original zu richten. Zumal wenn dabei – wie jetzt in Kiel – nicht bloß die Wiederkehr des ewig Gleichen herauskommt. Der italienische Videokünstler Luca Scarzella hat sich in Rom an den Schauplätzen von Puccinis «Tosca» mit der Kamera umgeschaut und das Material für ein flexibles, vor allem aus Projektionen gestaltetes Bühnenbild genutzt, das den Zuschauer gleichsam an die Hand nimmt.
Ein überraschendes Ergebnis: Die Wirkung der Musik wird optisch unterstützt oder gar gesteigert, etwa im Finale des ersten Akts, zum grandios auftrumpfenden «Te Deum». Gerade noch waren wir in der Seitenkapelle der Kirche Sant’ Andrea della valle, nun gleiten wir langsam in das monumentale Hauptschiff. Im zweiten Akt macht Scarzella die seelische Verfassung der von Scarpia bedrängten Titelheldin dadurch sichtbar, dass der Raum sich zu drehen beginnt – bis Tosca beim «Vissi d’arte» wieder Halt und zu sich selbst findet. Den spektakulären (wegen der wenig perfekten Ausführung allerdings unfreiwillig komischen) Sprung von der Engelsburg ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerhart Asche
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