Demontage eines Idols
Zur Dialektik der Oper gehört das Widerspiel von Historizität und Aktualität: Als Gattung ist sie über 400 Jahre alt, und dennoch sind Ästhetik, Technik und Rezeption durch die jeweilige Moderne bestimmt. Das gilt, durchaus konkret, auch für die großen Musentempel des internationalen Hochkulturbetriebs, innerhalb dessen sie gewiss auch mancherlei Repräsentationsbedürfnisse zu erfüllen haben. Dafür steht nicht zuletzt die Architektur mit ihrer Einschüchterung durch Tradition und Monumentalität.
Gerade einige der hehrsten Hallen, so die Wiener Staatsoper oder das Moskauer Bolschoi-Theater (mit enormem Aufwand und Pomp erneuert und eröffnet), haben sich vor der Gegenwart immer weiter zurückgezogen, fungieren mit maximaler Platzausnutzung eher als Magnet fürs Touristengeld. Künstlerische Innovation ist da weniger gefragt.
Dann wieder gibt es Institutionen, die lange zumindest wenig Reise-Anreiz boten: Das Pariser Palais Garnier wie La Monnaie in Brüssel wurden erst durch Rolf Liebermann und Gerard Mortier aus einer Art Dornröschenschlaf erweckt. Während Metropolen wie Amsterdam oder Madrid nicht unbedingt Opernzentren waren, es aber mit dem Neubau des Muziektheaters, der Wiedergeburt ...
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Opernwelt April 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Gerhard R. Koch
Herr Schulz, Sie haben bereits seit zwei Jahren an der Staatsoper gearbeitet, zunächst als designierter Intendant, seit September 2017 als Ko-Intendant neben Jürgen Flimm. Ab dem 1. April sind Sie nun endlich alleine auf dem Posten. Wie fühlt sich das an?
Fantastisch! Der Moment könnte nicht besser sein. Zum einen ist das Haus nun frisch saniert, zum anderen wächst...
JUBILARE
Kerstin Meyer kam 1928 in Stockholm zur Welt. Am Königlichen Konservatorium ihrer Heimatstadt studierte sie Gesang bei Adelaide von Skilondz und setzte ihre Ausbildung am Salzburger Mozarteum, in Rom, Wien und New York fort. Ihr Debüt gab die Mezzosopranistin 1952 als Azucena in Verdis «Il trovatore» an der Royal Swedish Opera. Dem Haus blieb sie während...
Es ist ein kühnes Unterfangen, Goethes «Wahlverwandtschaften», jenen Roman, der auch für gestandene Germanisten nicht unbedingt zu den kurzweiligsten Lektüreerinnerungen gehört, auf ein Musiktheaterstück von knapp zwei Stunden einzudampfen. Der für das Libretto zuständige Autor Armin Petras reduziert Goethes in epischer Breite angelegtes Werk dazu auf seinen...
