Auf Freuds Couch
Freuds Psychoanalyse ist zwar schon etwas angejahrt, aber der 1920 uraufgeführte Dreiakter «Die tote Stadt» von Erich Wolfgang Korngold, der einen darauf basierenden therapeutischen Prozess zum Thema macht, hat an Attraktivität bis heute nichts eingebüßt. Für die Geschichte vom beziehungsunfähigen Einzelgänger Paul, der von der Fixierung auf seine tote Geliebte erst durch die Erscheinung eines geheimnisvollen Doubles befreit wird, schuf Korngold eine klangintensive, emotional aufgeladene Musik, wobei dem groß besetzten Orchester eine tragende Rolle zukommt.
In den raffinierten Farbmischungen zeigt sich der Einfluss von Strauss, doch der Tonfall ist bereits derjenige der desillusionierten Nachkriegszeit.
In der St. Galler Produktion betont das unter Otto Tausk hoch motiviert spielende Orchester die Schärfen und herben Dissonanzen der farbenreichen Partitur und dreht mächtig auf, was die Sänger bis zum Äußersten fordert. Doch Stefan Vinke in der Rolle des innerlich zerrissenen Paul verfügt über die nötige tenorale Strahlkraft, und die schauspielerisch gewandte Molly Fillmore als Marietta hält anstandslos mit; die Nebenrollen der Haushälterin und des Freundes Frank sind mit Susanne ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Max Nyffeler
Niederösterreich» heißt es im Text, auch der Name Natascha kommt vor (die mörderische Mutter der Protagonistin wird so genannt). Das könnte ein Indiz für Aktualitätssucht sein. Doch Georg Friedrich Haas und sein Librettist Händl Klaus beteuern, «Bluthaus», 2011 in Schwetzingen uraufgeführt (siehe OW 6/2011), dessen erweiterte Neufassung nun erstmals bei den Wiener...
Madame liegt im Krankenbett, wenn sie nicht nachts herumstreunt und vom Gatten eingefangen werden muss. Der war am Schreibtisch eingenickt. «Rien» hatte er bei der Suche nach Sinn herausgefunden – wieder mal: nichts. Le docteur Faust ist – wie vor einem halben Jahr bei Jan-Philipp Gloger in Zürich – verheiratet, doch es zieht ihn mit einschlägig diabolischer...
Möglicherweise sei unsere Welt die Hölle eines anderen Planeten, lesen wir in altertümlicher Schreibmaschinenschrift auf dem Vorhang, bevor dieser hochfliegt und ein dumpfes Brummen wie Kopfschmerz durch das Braunschweiger Staatstheater zieht. Roland Schwab inszeniert die deutsche Erstaufführung von Vivaldis «Farnace» – uraufgeführt 1727 in Venedig und bis 1738...
