Auf Freuds Couch
Freuds Psychoanalyse ist zwar schon etwas angejahrt, aber der 1920 uraufgeführte Dreiakter «Die tote Stadt» von Erich Wolfgang Korngold, der einen darauf basierenden therapeutischen Prozess zum Thema macht, hat an Attraktivität bis heute nichts eingebüßt. Für die Geschichte vom beziehungsunfähigen Einzelgänger Paul, der von der Fixierung auf seine tote Geliebte erst durch die Erscheinung eines geheimnisvollen Doubles befreit wird, schuf Korngold eine klangintensive, emotional aufgeladene Musik, wobei dem groß besetzten Orchester eine tragende Rolle zukommt.
In den raffinierten Farbmischungen zeigt sich der Einfluss von Strauss, doch der Tonfall ist bereits derjenige der desillusionierten Nachkriegszeit.
In der St. Galler Produktion betont das unter Otto Tausk hoch motiviert spielende Orchester die Schärfen und herben Dissonanzen der farbenreichen Partitur und dreht mächtig auf, was die Sänger bis zum Äußersten fordert. Doch Stefan Vinke in der Rolle des innerlich zerrissenen Paul verfügt über die nötige tenorale Strahlkraft, und die schauspielerisch gewandte Molly Fillmore als Marietta hält anstandslos mit; die Nebenrollen der Haushälterin und des Freundes Frank sind mit Susanne ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Max Nyffeler
Hübsch ist der Tod. Sexy, ob im Pailletten-Fummel oder im Weißkittel als Dottoressa Mirakel. Vor allem aber: Er ist die heiße Affäre jenes Mannes, der nun aus dem Schattenreich zurückkommt – und vielleicht, wenn die Liebe der im Diesseits verbliebenen Mutter oder seiner Gattin stark genug ist, wieder unter die Lebenden darf. Ein Mann, drei Frauen, man ahnt es...
Jubilare
Herkunft verpflichtet. Wie Verdi und Toscanini stammt Carlo Bergonzi aus der Region Parma. Er ist mit der Oper aufgewachsen, schon als Sechzehnjähriger nahm er ein Gesangsstudium auf. 1947 debütierte er als Bariton, arbeitete sich dann in diesem Fach drei Jahre durch kleine und mittlere Theater, stand mit Altmeistern wie Beniamino Gigli und Tito Schipa auf...
Es sind pubertierende Jugendliche – sechs Solisten sowie die von acht Mitgliedern des Chors Barock vokal Mainz dargestellten Nymphen und Hirten –, die Tatjana Gürbaca in ihrer bestürzend simplen, aber umso eindringlicheren Inszenierung von Johann Adolph Hasses Pastoralspiel «Leucippo» auf die Bühne des Schwetzinger Rokokotheaters zitiert. Es geht darin um die...
