Brüchige Idylle
Es sind pubertierende Jugendliche – sechs Solisten sowie die von acht Mitgliedern des Chors Barock vokal Mainz dargestellten Nymphen und Hirten –, die Tatjana Gürbaca in ihrer bestürzend simplen, aber umso eindringlicheren Inszenierung von Johann Adolph Hasses Pastoralspiel «Leucippo» auf die Bühne des Schwetzinger Rokokotheaters zitiert. Es geht darin um die Liebe des Hirten Leucippo zur Nymphe Dafne, die als Priesterin der Diana zu ewiger Keuschheit verpflichtet ist.
Der Strafvollzug für dieses Vergehen fällt dem Oberpriester Narete zu, in Wirklichkeit der leibliche Vater Leucippos, der als Kind von dem unter dem Namen Delio auftretenden Gott Apollo geraubt wurde, was allerdings erst am Ende enthüllt wird. Henrik Ahrs Szene zeigt das idyllische Arkadien als kreisrunden Einheitsraum in dezent braunen Holztönen, der nach vorne abfällt und an den Wänden von einer Sitzbank umlaufen wird. Der einzige Zugang – eine schmale, hohe Türe – ist nur von außen zu öffnen, was die hermetische Atmosphäre dieses Laboratoriums der Liebe noch verstärkt. Farblich diskret zurückhaltend auch die meist pastellfarbenen Kostüme (Barbara Drosihn) – nur die beiden zentralen Gegenspieler, Dafne im roten ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Uwe Schweikert
Peter Konwitschny ist mit Johann Sebastian Bach groß geworden. Weil sein Vater Franz von 1949 bis 1962 Gewandhauskapellmeister war, wuchs er in der Bach-Stadt Leipzig auf. Viel später, an der Oper, wo er von 2008 bis 2011 Chefregisseur war, begann er, sich die Kantaten vorzunehmen: «Ich habe genug» war 2009 die erste, 2010 folgte «O Ewigkeit, du Donnerwort» (BWV 60...
Hasst der Regisseur die Musik? Hadert er mit diesem Zwitterstück, das weder Oper noch Oratorium ist? Das Hector Berlioz als légende dramatique bezeichnete, das 1846 konzertant uraufgeführt, aber erst 1893, fast ein Vierteljahrhundert nach dem Tod des Komponisten, an der Pariser Opéra comique in Szene gesetzt wurde? Man könnte das meinen, wenn man sieht, wie der...
Gerhard Persché: Letztes Jahr störte der Schriftsteller Philip Hensher das Britten-Centenary, indem er die Meinung vertrat, nicht eine einzige von Brittens Opern wäre musikalisch so interessant wie «Punch and Judy». Ob Britten spürte, dass ihn da einer überflügelte und deshalb 1968 aus der Uraufführung von Harrison Birtwistles bitterbös-skurriler Tragikomödie floh?
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