Brüchige Idylle

Hasse: Leucippo Schwetzingen / Schlosstheater

Opernwelt - Logo

Es sind pubertierende Jugendliche – sechs Solisten sowie die von acht Mitgliedern des Chors Barock vokal Mainz dargestellten Nymphen und Hirten –, die ­Tatjana Gürbaca in ihrer bestürzend simplen, aber umso eindringlicheren Inszenierung von Johann Adolph Hasses Pastoralspiel «Leucippo» auf die Bühne des Schwetzinger Rokokotheaters zitiert. Es geht darin um die Liebe des Hirten Leucippo zur Nymphe Dafne, die als Priesterin der Diana zu ewiger Keuschheit verpflichtet ist.

Der Strafvollzug für dieses Vergehen fällt dem Oberpriester ­Narete zu, in Wirklichkeit der leibliche Vater Leucippos, der als Kind von dem unter dem Namen Delio auftretenden Gott Apollo geraubt wurde, was allerdings erst am Ende enthüllt wird. Henrik Ahrs Szene zeigt das idyllische Arkadien als kreisrunden Einheitsraum in dezent braunen Holz­tönen, der nach vorne abfällt und an den Wänden von einer Sitzbank umlaufen wird. Der einzige ­Zugang – eine schmale, hohe Türe – ist nur von außen zu öffnen, was die hermetische Atmosphäre dieses Laboratoriums der Liebe noch verstärkt. Farblich diskret zurückhaltend auch die meist pastellfarbenen Kostüme (Barbara Drosihn) – nur die beiden zentralen Gegenspieler, Dafne im roten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Aus einem Totenhaus

Niederösterreich» heißt es im Text, auch der Name Natascha kommt vor (die mörderische  Mutter der Protagonistin wird so genannt). Das könnte ein Indiz für Aktualitätssucht sein. Doch Georg Friedrich Haas und sein Librettist Händl Klaus beteuern, «Bluthaus», 2011 in Schwetzingen uraufgeführt (siehe OW 6/2011), dessen erweiterte Neufassung nun erstmals bei den Wiener...

Das Glück des Augenblicks

Die Neuinszenierung von Frank Hilbrich bestätigt es: Die scheinbar leichte, heute etwas bemüht-brillant wirkende «Jazz-Oper» von 1927 ist nicht leicht zu realisieren. Mit ihr huldigte der blutjunge Avantgardist Ernst Krenek dem Zeitgeist der Goldenen Zwanziger – der Wagnerismus, dem noch Strauss und Schreker mit ihren lyrischen Musikdramen beseelt gefolgt waren,...

Aus dem Leben eines Taugenichts

Es gab einmal eine Zeit, in der sich Sänger und Kritiker so gut wie nie über den Weg liefen, geschweige denn miteinander sprachen. Und wenn sie’s taten, ging’s nicht immer gut. Da schüttete schon mal eine aufgebrachte Diva dem Schreiberling vor Wut ein Glas Wein ins ­Gesicht – wir alle kennen solche Geschichten. Ich erinnere mich gut an mein erstes Mal. Ich hatte...