Auf der Suche nach dem verlorenen Genie

Erich Wolfgang Korngold, in den 1920er-Jahren als Zeitgenosse umjubelt, von den Nazis aus Europa vertrieben, danach als «Hollywoods Leibeigener» diffamiert oder ignoriert und seit einem halben Jahrhundert wiederentdeckt, widerfährt mit einer umfassenden Werkausgabe endlich die gebotene Gerechtigkeit

Der einzige Kreisler, mit dem die Korngolds beruflich zu tun hatten, war wohl Fritz. Von einer Bekanntschaft mit dem Kabarettisten gleichen Familiennamens, weitläufig verwandt mit dem Geigenvirtuosen, wissen wir nichts. Hätte ja sein können, in Hollywood etwa, wäre allerdings zeitlich sehr knapp geworden.

Dennoch sei gestattet, diesem Artikel ein Zitat aus Georg Kreislers Chanson «Der Musikkritiker» voranzustellen: «Ich hab’ zwar ka’ Ahnung, was Musik ist, denn ich bin beruflich Pharmazeut; aber ich weiß sehr gut, was Kritik ist – je böser, desto mehr freu’n sich die Leut’.» Angeblich war dies eine persönliche Abrechnung Kreislers mit einem renommierten Wiener Rezensenten. Nicht mit Julius Korngold, aller Wahrscheinlichkeit nach. Jedoch hätte ein bissiger Vers wie dieser für Julius’ Gegner geradezu Mantra-Charakter gehabt. Freilich war Korngold sen. nicht Pharmazeut, sondern promovierter Jurist. Zudem hatte er sehr wohl «Ahnung, was Musik ist», denn neben den Rechtswissenschaften an der Wiener Universität studierte er Musiktheorie am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde, unter anderem immerhin bei Anton Bruckner. Während seines Rechtspraktikums in Brünn war er nebenbei ...

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Opernwelt Mai 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Gerhard Persché

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