Auf der Suche nach dem Unterbewussten

Manchen gilt er als Guru und Messias, anderen als Scharlatan. Kein Zweifel aber kann daran bestehen, dass Teodor Currentzis die Opernwelt mit seinem hybriden Kunstverständnis aufgerüttelt hat. Ein Gespräch über Konventionen, Kooperationen, innovative Regisseure und die Frage, wie man Träume, Visionen und Fantasien befruchten kann

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Herr Currentzis, am Opernhaus von Perm haben Sie das Privileg der völligen künstlerischen Freiheit genossen, sind aber kürzlich nach Sankt Petersburg gezogen, wo Ihnen im Grunde nur ein experimenteller Proberaum zur Verfügung steht – «Dom Radio». Fehlt Ihnen als überaus theatralischem Menschen, der Sie selbst noch in Ihren Konzerten sind, nicht der Duft des Theaters? Oder war der Wechsel Teil eines organischen Prozesses? 
Ich hatte noch nicht genügend Zeit, um die Situation eingehend zu analysieren und zu bewerten.

Aber Sie haben recht: Theater- oder Opernprojekte lagen mir immer sehr am Herzen. Und jetzt arbeite ich zum ersten Mal nicht regelmäßig am Theater, sondern dirigiere nur bei den Salzburger Sommerfestspielen. Aber ich habe festgestellt, dass ich mich in dieser neuen Funktion, so merkwürdig es erscheinen mag, sehr gut fühle. Momentan bin ich sehr am Drama interessiert; nicht als Genre, sondern als eine Art Schauspiel, an dem sowohl die Künstler als auch das Publikum beteiligt sind, sprich, wenn man dem Publikum nicht das während der Proben erzielte Ergebnis präsentiert, sondern es in eine Art künstlerischen Akt einbezieht. Bei manchen Chorkonzerten zum Beispiel bewegen ...

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Opernwelt April 2022
Rubrik: Interview, Seite 60
von Alexej Parin

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