Mozart: Don Giovanni
Vielleicht wäre Gustavo Dudamel für «Don Giovanni» doch die bessere Wahl gewesen. Vielleicht hätte der 23-jährige Venezolaner mit seinem jugendlichen Feuer die vertrackte Oper aller Opern zum Knistern gebracht – wie im Oktober vorletzten Jahres in Mailand (siehe OW 12/2006). Vielleicht hätte er sich auch am Pult der Berliner Staatsoper wieder von Mozarts himmlischer Höllenmusik elektrisieren lassen und bei der Zweitauflage dieser Koproduktion mit der Scala für Hochspannung gesorgt.
Dass es dabei wohl nicht ganz ohne Geflacker und den einen oder anderen Kurzschluss abgegangen wäre – wir hätten es Dudamel nachgesehen.
Denn was Daniel Barenboim, einer der prominenten Mentoren des blutjungen Dirigiertalents, im Graben Unter den Linden mit der Staatskapelle veranstaltete, hatte mit mozartischer Erotik wenig zu tun. So breit legt er die Tempi an, so tief taucht er die Musik in den goldenen Topf der Romantik, dass man sich immer wieder im falschen Stück wähnt. Auf rekordverdächtige vier Stunden (inklusive Pause) dehnt sich der Abend – ohne dass jene Wagner’schen Längen, die Barenboim zur gleichen Zeit im Scala-«Tristan» zelebrierte (siehe Seite 6), uns neue Erkenntnisse über den ...
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