Auf der Höhe der Zeit

Kiel, Halffter: Don Quijote

Opernwelt - Logo

Erstaunlich, dass dieser «Don Quijote» nach seiner erfolgreichen Premiere in Spanien fünf Jahre gebraucht hat, um erstmals auf einer deutschen Opernbühne aufzutauchen. Das Werk hat nämlich alles, um zu einem – allerdings anspruchsvollen – Repertoirestück zu werden. Der Zugriff Halffters und seines Librettisten Andrés Amorós auf den alten Stoff ist bestimmt von kreativer Originalität: kein Nacherzählen der bekannten Abenteuer, sondern ein punktuelles Herausgreifen einzelner Episoden sowie deren Verschränkung mit der Vita des Autors.

Das Leiden des Cervantes an der Hervorbringung des «Mythos Don Quijote». Das Schicksal des schöpferischen Menschen, der zu Grunde gehen muss, während die von ihm ersonnene Gestalt ewiges Leben erhält.
Das alles eingefasst in eine persönlich geprägte, facettenreiche Tonsprache, die sich bruitistischer Klangballungen ebenso bedient wie verinnerlichter Instrumentalkantilenen. Deren Faktur auf der Höhe der Zeit ist und sich doch auch historischer Anleihen aus der spanischen Renaissancemusik bedient – nicht als Zitate, sondern in ganz eigenständiger, aneignender Verarbeitung. Eine Partitur und ein Werk voller großer, erregender Momente, dazu von eminenter ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2006
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
Geschlossene Gesellschaft

Das Cottbuser Staatstheater hat sich unlängst einen Deus ex machina zugelegt – er hört auf den Namen Tamino. Gleich nach der Ouvertüre fällt er, ein Bruchpilot mit ledernem Fliegerkäppi, vom glühbirnenflammenden Bühnenhimmel, um eine in ramponierten Beziehungskisten erstarrte Kommune aufzumischen, die man eher bei Beckett oder in der Rocky Horror Picture Show als...

Konzentration auf Wesentliche

Herr Braunfels, Sie zählen nicht nur als Schöpfer einiger Großbauten wie der Pinakothek der Moderne in München sowie des Paul-Löbe-Hauses und des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses in Berlin  zu den meistbeschäftigten Architekten Deutschlands. Nun haben Sie für eine neue «Lohengrin»-Produktion des Festspielhauses Baden-Baden das Bühnenbild entworfen. Was reizt Sie an...

Rimsky-Korsakow: Der goldene Hahn

Russisch-orientalisches Märchenspiel oder politische Farce? Rimsky-Korsakows «Goldener Hahn» bietet die beiden Schichten fast deckungsgleich, und so stellt sich für jeden Regisseur die Frage, ob das eine, ob das andere auf der Agenda steht. Die Versuchung des Politischen ist meist größer als die des Märchens. So auch in Kassel, wo Andrea Schwalbach die Oper ins...