Auf der Achterbahn

Weir: Miss Fortune HILDESHEIM | THEATER

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Judith Weir korrigiert in ihrer 2011 als Koproduktion der Bregenzer Festspiele und der Royal Opera Covent Garden uraufgeführten Oper «Miss Fortune» eine trügerische Märchenbotschaft: Gutsein und Können allein reichen nicht, wenn das Leben gelingen soll. Die britische Hofkomponistin vertonte ein sizilianisches Märchen aus der Sammlung von Giuseppe Pitrè, das Werk könnte das schmale Erfolgsrepertoire intelligenter und groß besetzter abendfüllender Opern für junges Publikum bereichern.

Zur zweiten Vorstellung der deutschen Erstaufführung in englischer Sprache applaudiert das Publikum im Theater Hildesheim begeistert der üppigen tonalen, hermetisch wirkenden Partitur. Die wellenartig und in periodischen Schichtungen fließende Instrumentation sowie eine hohe Kantabilität der Solopartien bescheren dem Werk und dem jungen Ensemble vollauf zu Recht einen großen Erfolg. Die Komponistin räsonierte derweil auf ihrem Blog über den deutschen Titel «Achterbahn», einem Symbol für den Wandel von Wohlstand in Armut und alle daraus erwachsenden Missgeschicke. Der Chor, dem Weir in ihrem eigenen Textbuch umfangreiche Aufgaben zuteilte, kommt als Opfer prekärer Verhältnisse mit Schmutzfarben ins ...

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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Panorama, Seite 63
von Roland H. Dippel

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