Auf Augenhöhe
Noch immer scheint Vincenzo Bellinis «Norma» untrennbar mit der Primadonna assoluta Maria Callas verbunden, die in den 1950er-Jahren das Werk rehabilitierte und mit ihrer Interpretation bis heute Maßstäbe setzte. Auch Cecilia Bartolis Versuch einer von dramatischem Gewicht deutlich befreiten Neudeutung der halsbrecherischen Partie der Druidenpriesterin konnte daran wenig ändern.
Nicht von ungefähr also stellt die Werbekampagne des Musiktheaters im Revier eines der berühmtesten Callas-Fotos nach, auf dem die armenische Sopranistin Hrachuhi Bassénz der Diva tatsächlich zum Verwechseln ähnlich sieht. In der Ära von Peter Theiler war Bassénz am Musiktheater im Revier zuständig für die hohen Sopranpartien der Belcanto-Raritäten, die Theiler damals zahlreich ausgrub. Nun kehrt Bassénz hörbar gereift als Gast aus Nürnberg zurück.
In der Gelsenkirchener Neuproduktion erklingt erstmals in einer szenischen Produktion auf einer deutschen Bühne die kritische Neuausgabe von Maurizio Biondi und Riccardo Minasi, die vor allem die Rolle der rivalisierenden Adalgisa buchstäblich aufwertet – nämlich vom Mezzo ins Sopranfach – und der Sopran-Norma auch durch wieder geöffnete Striche als beinahe ...
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Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Regine Müller
Seit August 2007 wird in Luzern über den Bau einer Salle Modulable, eines flexiblen Raums für (neues) Musiktheater diskutiert. Die Idee geht auf Pierre Boulez zurück. Boulez, der 2004 die Lucerne Festival Academy gründete und bis kurz vor seinem Tod leitete, hatte nicht nur eine Dynamisierung der Beziehung zwischen Bühne(n) und Zuschauer im Auge, ihm ging es vor...
Gestern haben wir uns ein Musical angesehen. Von mir aus wär ich wohl kaum hingegangen, aber eine Freundin hat da mitgemacht. Versteht sich von selbst, dass wir nachher auch hinter die Bühne sind, um ihr vorzuschwärmen, wie sehr wir den Abend genossen hätten. Dabei war’s schrecklich. Einfach grauenhaft – zu lang, zu platt, zu schlecht gemacht. Ich wusste es, die...
Hack- oder Filetsteak, das ist hier die Frage. Der «Vampyr» in der 90-minütigen Fassung des gefeierten Schauspielregisseurs Antú Romero Nunes (dem an der Bayerischen Staatsoper bereits «Guillaume Tell» anvertraut war, siehe OW 8/2014) bietet vor allem Blutsauger-Geschnetzeltes von dem sonst zwei Stunden dauernden Werk. Freilich ist dies genau das, was Nunes am...
