Verheißung
Ab und an taucht inmitten der Figuren, die zur Handlung von Tschaikowskys «Iolanta» gehören, auch dieses zarte Mädchen im senffarbenen Kleid auf. Wer ist sie? Iolantas stumme Schwester, ihr anmutiges Alter Ego? Wir erfahren es bald genug: Als wir nämlich nach dem finalen Akkord des Einakters applaudieren wollen, winken die Darsteller ab – noch nicht! Schon weitet sich das Bühnenbild. Das lichte Zimmer, in dem die blinde Prinzessin eben noch für ihren Vaudémont Rosensträuße plünderte, gleitet nach hinten, wird zum Erker eines großen Saals.
Eine Festgesellschaft spendet Beifall – während Alain Altinoglu im Graben attacca zum «Nussknacker» ansetzt.
Mittlerweile sind Tänzer in die Kostüme des «Iolanta»-Personals geschlüpft, ist aus dem Königshaus eine wohlhabende Bürgerfamilie geworden: In Dmitri Tcherniakovs Pariser Version war die Oper bloß Wohnzimmertheater, Party-Unterhaltung. Gefeiert wird hier allerdings nicht Weihnachten – ersatzweise durfte zuvor Iolanta einen Baum schmücken –, sondern Geburtstag, und zwar der des mysteriösen Mädchens. Marie heißt Clara hier. Der Nussknacker kommt als bonbongefüllte Piñata vor, die die Gäste mit verbundenen Augen (eine Wiederkehr des ...
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Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Wiebke Roloff
Das erste deutsche Stadttheater stand in Ulm. 1781 wurde es eröffnet, im 19. Jahrhundert mehrmals umgebaut und erweitert, doch 1944/45 verglühte das Haus im Bombenhagel. Seit 1969 residieren die Ulmer Bühnen in einem markanten Neubau von Fritz Schäfer. Deshalb kann nun das Freiberger Theater am Buttermarkt von sich behaupten, der älteste kommunale Theaterbetrieb...
Hier der Stolz der Blaublüter, derer von Sachsen-Coburg, dort der Stolz der mittelhessischen Bürgerschaft, die ihren Musentempel einst selbst finanzierte: Weiter auseinander können Gründungsakte und Tradition kaum liegen. Viel Selbstbewusstsein tanken Coburg und Gießen aus ihrer Vergangenheit, auch weil sie sich heute gegen die Dickschiffe der Szene behaupten...
JUBILARE
Ingeborg Hallstein kam 1936 in München zur Welt und erhielt ersten Gesangsunterricht bei ihrer Mutter, der Sopranistin und Gesangspädagogin Elisabeth Hallstein. Nach weiterem Gesangs- und Schauspielunterricht debütierte sie 1958 in Passau als Musette in Puccinis «La Bohème». Es folgten Engagements am Theater Basel und am Münchner Gärtnerplatztheater, bevor...
