Klangbildtheater
Energie, die mit Farbe nach dem Leben greift: Der Bühnenraum ist voller Scheiben, aufgehängt wie vertikale Perlenketten in geometrischem Raster. Ihr Kolorit changiert, passt sich Ebbe und Flut der Musik an. Links ein wirrer, struwwelbärtiger Mann, die Beine in enormen Klötzen. Ein wenig erinnert er uns an Fafner. Oder an Rübezahl. Er scheint in Gedanken versponnen, als wolle er Erinnerungen herrufen oder schlechte Träume verscheuchen. Man ahnt: Es ist Golaud. «Ich komme nicht mehr aus diesem Wald heraus», singt er. Dieser Wald freilich ist nicht Außenwelt, sondern surreale Fantasie.
So beginnt Achim Freyers malerisch märchenhafte Exegese von Debussys «Pelléas et Mélisande» in Linz.
Bald fällt das Licht auf Mélisande, zunächst ein Torso, halb aus einer Zisterne lugend, später an Seilen aus dem Schnürboden hochgezogen wie eine Marionette. Wieder, wenn auch auf andere Art als in seiner Inszenierung von Sciarrinos «Luci mie traditrici» vor einem Jahr bei den Wiener Festwochen, vermeidet Freyer jede physische Interaktion zwischen den Figuren. Beinahe alle (außer Golaud, in seinen Klötzen erdenschwer plump, und dem mit einem Hydrozephalus versehenen Yniold links vorne an der Rampe) ...
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Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Gerhard Persché
Anfang des Jahres gab’s an der Londoner English National Opera ausnahmsweise was zu feiern. 85 Jahre zuvor hatte Lilian Baylis die Kompanie ins Leben gerufen. Ihr Traum: im Sadler’s Wells Theater einem breiten Publikum die Welt der Oper spannend nahe zu bringen. Doch die Jubiläumsfeierlichkeiten im Januar waren ganz auf die Elite zugeschnitten. Zum Auftakt...
Es ist ein Ort der bleiernen Zeit, den die Ausstatterin Esther Bialas für Yuval Sharons Inszenierung von Peter Eötvos’ «Tri sestri» auf die Bühne der Wiener Staatsoper gebaut hat. Ein Salon, von entkräftetem Kerzenlicht beleuchtet, in dem die Stunden auf Zehenspitzen vorbeischleichen und die Tage wie Kugeln mit mattem Klang eintönig in weite, leere Gefäße fallen....
Es war ein Kuriosum der Operngeschichte, eine Art Doppel-Uraufführung in einem Zeitraum von vier Monaten: Im Dezember 1925 kam an der Berliner Staatsoper Alban Bergs «Wozzeck» heraus, die grandiose Vertonung des grandiosen Büchner-Dramas; im April 1926 brachte das Stadttheater Bremen eine Opernfassung desselben Stoffes von seinem damaligen Generalmusikdirektor...
