Auf Armeslänge
Was hier wohl passiert ist? Man will es gar nicht genau wissen. Die Betondecke geborsten, die Kapelle auf der Bühne staubig, zerrupft und (leere Stühle signalisieren es) dezimiert. Ab und zu flackert das Licht, man hört ferne Detonationen und ein vorbeiziehendes Flugzeug. Es herrscht Krieg, ja gut. Aber wo? Offenbar nicht mehr draußen, auf dem Schlachtfeld, sondern drinnen. Nicht in diesem Café mit seinen weißen Stühlen und Tischen, sondern tiefer, vielleicht schlimmer, in den Schaltzentralen unter den Schädeldecken.
Manchmal erheben sich diese schwankenden Gestalten, stellen sich an zum Händewaschen, geraten unter den Augen der Krankenschwestern aneinander oder feiern ein wüstes Kostümfest inklusive Generalität und Riesentranse.
Eine Verlagerung des Schreckens ins eigene Hirn, der Alpdruck als Konsequenz aus Erlebtem, so neu ist das nicht. Aber was tun, wenn Tagesthemen und Heute-Journal Bilder liefern, gegen die keine Bühne ankommt? Insofern passt dieses Konzept für den Neunzigminüter «Simplicius Simplicissimus», der intime Schlaglichter auf den Dreißigjährigen Krieg wirft, aber für uns ja viel mehr und Aktuelleres beschwört – nicht nur das, was Karl Amadeus Hartmann während der ...
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Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Markus Thiel
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