Unter Schleiern
Sie war der in der neueren Operngeschichte einmalige Fall einer Primadonna, die trotz einer Weltkarriere, die u. a. an die Metropolitan Opera New York und die Mailänder Scala führte, über mehr als drei Jahrzehnte festes Mitglied eines Hauses blieb, der Deutschen Oper Berlin. Ich habe Pilar Lorengar (der Vor- wie der Nachname wird übrigens auf der letzten Silbe betont) dort in vielen Rollen erlebt – von Mozart, Puccini und Verdi, aber auch als Wagners Elsa, Tschaikowskys Tatjana und Janáčeks Jenůfa.
Und erinnere sie als eine Sängerin von sehr würdevoller Ausstrahlung, aber eher gepflegtem Bühnentemperament.
Der 54-minütige Film von Arturo Méndiz will keine Künstlerbiografie sein. Details der künstlerischen Entwicklung werden nicht berührt, auch die Bühnenrollen und Interpretationen sind kein Thema, spärlich sind die eingefügten Musikbeispiele. «Voice & Mystery» (Untertitel) zielt auf das Geheimnis einer Persönlichkeit, die peinlich darauf bedacht war, nichts von sich preiszugeben.
Méndiz lässt Angehörige, Freunde und Weggefährten zu Wort kommen, bemüht sich um Diskretion bei der Offenlegung privater Dinge. Über ihr voreheliches Liebesleben wird ein Schleier gebreitet, der ...
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Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Ekkehard Pluta
Eigentlich haben sie nichts miteinander zu tun, Erich Wolfgang Korngolds Jugendwerk «Der Ring des Polykrates» von 1916 und Mieczysław Weinbergs Oper «Wir gratulieren» (1983) – außer dass ihre Schöpfer jüdischer Herkunft waren und ins Exil gezwungen wurden. Beide Male handelt es sich um Beziehungskomödien mit stark schwankhaften Zügen. Weinbergs anderthalbstündiger...
Ulrich Schreiber brach schon 2006 im letzten Band seines «Opernführers für Fortgeschrittene» eine Lanze für Samuel Barbers «Vanessa», indem er meinte, dass dessen «in erweiterter Tonalität angelegte Musik ... dem psychologisierenden Kammerspiel mehr als nur einen klangsinnlichen Rahmen zu geben» vermöge. Gleichwohl sollten noch einige Jahre vergehen, bis diese...
Auf der nackten, in dämmriges Licht getauchten Bühne transparente, mobile Milchglaswände. Am rechten Seitenportal ein Bücherberg, aus dem zögerlich ein Mann – dunkler Anzug, Rollkragenpullover – klettert und, halsbrecherisch auf dem Gedruckten balancierend, singt «Ich bin am Ende». Es ist der an einer Schaffenskrise leidende Schriftsteller Gustav von Aschenbach....
