Auf Abwegen
Temple Bar an einem Abend im Oktober. Massen von Menschen schieben sich durch das pittoreske Ausgehviertel von Dublin. Die Luft ist herbstlich kühl, aber angenehm lau, etliche Halloween-Parties locken das Publikum an. Ein gruseliges Schauspiel besonderer Art erwartet all jene Besucher, die zum Project Arts Centre abbiegen, dessen blaugläserne loftartige Architektur zwischen den alten Backsteingebäuden hervorleuchtet. Auf dem Programm steht dort «Heresy», eine elektronische Oper des irischen Komponisten Roger Doyle.
Darin geht es um Giordano Bruno, der 1600 als Ketzer auf dem Scheiterhaufen endete.
Üppige finanzielle Mittel, um das Schicksal dieser schillernden Renaissancepersönlichkeit zu schildern, die an zahlreichen europäischen Fürstenhöfen und Universitäten zugleich Furore (und sich auch gerade deswegen viele Feinde) machte, stehen für die Produktion nicht bereit. Das erklären Doyle und der Regisseur Eric Fraad während eines Gesprächs in einer Bar gegenüber. 150 000 Euro bewilligte der Arts Council für die Aufführungen – in der Tat nicht viel, wenn man bedenkt, dass die feste Operninfrastruktur in Irland nach der Auflösung der Opera Ireland nur noch auf dem Wexford Festival ...
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Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Carsten Niemann
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