Auf Abwegen
Temple Bar an einem Abend im Oktober. Massen von Menschen schieben sich durch das pittoreske Ausgehviertel von Dublin. Die Luft ist herbstlich kühl, aber angenehm lau, etliche Halloween-Parties locken das Publikum an. Ein gruseliges Schauspiel besonderer Art erwartet all jene Besucher, die zum Project Arts Centre abbiegen, dessen blaugläserne loftartige Architektur zwischen den alten Backsteingebäuden hervorleuchtet. Auf dem Programm steht dort «Heresy», eine elektronische Oper des irischen Komponisten Roger Doyle.
Darin geht es um Giordano Bruno, der 1600 als Ketzer auf dem Scheiterhaufen endete.
Üppige finanzielle Mittel, um das Schicksal dieser schillernden Renaissancepersönlichkeit zu schildern, die an zahlreichen europäischen Fürstenhöfen und Universitäten zugleich Furore (und sich auch gerade deswegen viele Feinde) machte, stehen für die Produktion nicht bereit. Das erklären Doyle und der Regisseur Eric Fraad während eines Gesprächs in einer Bar gegenüber. 150 000 Euro bewilligte der Arts Council für die Aufführungen – in der Tat nicht viel, wenn man bedenkt, dass die feste Operninfrastruktur in Irland nach der Auflösung der Opera Ireland nur noch auf dem Wexford Festival ...
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Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Carsten Niemann
Schon seine erste Opernregie in Westeuropa hatte der Russe Kirill Serebrennikov an Berlins Komischer Oper realisiert – Olga Neuwirths spektakuläre «American Lulu» (siehe OW 11/2013). Im vergangenen Herbst dann kleidete der Theater- und Filmregisseur, Jahrgang 1969, in Stuttgart die Strauss-Oper «Salome» in Schockbilder einer kaputten Familie in kaputter Umwelt –...
Eines Abends in Peking erschien mir im schweren Smog Konfuzius und schenkte mir Erkenntnis. Wie üblich, hatte man uns Programmhefte in die Garderoben gelegt. Ich nahm meines, warf einen Blick hinein – da ging mir ein Licht auf. Die Dinger sind wahre Memorabilia, der Beweis, dass man an einem bestimmten Ort war, teilhatte an etwas. Im Grunde wie Selfies, nur dass...
Verschwörungstheorien sind en vogue – sie können, wenn’s schlimm kommt, auch Referenden und Wahlen entscheiden. «Die Verleumdung ist schnell, die Wahrheit langsam», erkannte schon Voltaire. Ob der musikhistorische Rufmord an Antonio Salieri Mitschuld daran trägt, dass dessen Œuvre so lange in den dunklen Gewässern des Vergessens dümpelte, sei dahingestellt. Doch...
