Arbeit am Mythos

Zwei neue Bücher über Maria Callas

Opernwelt - Logo

Maria Callas ist ein Mythos und im öffentlichen Bewusstsein zweifelsohne die bekannteste, wirkungsmächtigste Sängerin des 20. Jahrhunderts. Eva Gesine Baur hat sich mit ihrer zum 100. Geburtstag erschienenen Biografie das hohe Ziel gesetzt, «die eigentliche Callas auszugraben». Gleich im Vorspann beklagt sie, «dass die Neugier für Maria Callas als Frau das Interesse an der Künstlerin zudeckt». Was deren «epochale Leistung» ausmache, sei «heute aber kaum jemandem bewusst». Leider löst Baur von den Vorsätzen, dies zu zeigen, nichts ein.

Im Gegenteil, sie wiederholt den sensationslüsternen Klatsch der kaum mehr überschaubaren Erinnerungsliteratur wie der Boulevardpresse. Das macht das überdies oft geradezu unerträglich geschwätzige Buch, das ein strenges und fachkundigeres Lektorat nötig gehabt hätte, zur quälenden Lektüre.

Dabei trifft Baurs zentraler Ansatz, das Doppelleben der Callas als Künstlerin und Frau zu untersuchen – «nach außen die selbstbewusste Diva, kämpferisch und kompromisslos, privat eine devote Frau» –, exakt den existentiellen Riss, den inneren Zweikampf «Maria gegen Callas», der nicht erst durch die Liebe zu Onassis in ihr Leben getreten ist, sondern dieses von ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 38
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Tears and Love

Ich kann die Melancholie aus einem Liede saugen, wie ein Wiesel Eier saugt. Mehr! Mehr! Ich bitte dich.» Nur zu gerne möchte man sich der schwärmerischen Emphase des Höflings Jacques aus William Shakespeares Lustspiel «Wie es euch gefällt» anschließen, wenn man das erste Solo-Album des jungen englischen Countertenors Alexander Chance hört. Fast anzunehmen, dass...

Innere Perspektiven

In ihrem neuesten Soloalbum spürt die italienische Mezzosopranistin Anna Bonitatibus einer Gattung nach, die mit dem Ende des Barockzeitalters ausstarb – der weltlichen Solo-Kantate. Ihren Höhepunkt besaß diese um die Wende des 17. zum 18. Jahrhundert in Italien und Frankreich. Mit Stoffen vornehmlich aus dem Bereich der Bukolik, aber auch der antiken Mythologie,...

Spaßgesellschaft auf Abruf

Das Warten auf den (musikalischen) Höhepunkt kann in Claudio Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» eine halbe Ewigkeit dauern. Am Theater Bremen sind es gerade mal zwei Stunden und 30 Minuten, bis sich die Stimmen von Nerone und Poppea in «Pur ti miro, pur ti godo» ineinander verschlingen dürfen, weil der Komponist das Melos der Musik und der Sprache seiner...