Editorial Dezember 2011
Ich ist ein anderer. Das gilt nicht erst seit der Romantik. Die Beobachtung hat schon immer zur Kunst geführt. Als Aufschrei, als Staunen, als Sehnsucht. Auch in der Musik natürlich. Und auf der Bühne. Wobei das Sängerleben einer doppelten Perspektive folgt: Wer seine Stimme gefunden hat, hat seine Identität gefunden.
Eines bedingt das andere. Und beides braucht Konstanz, um sich entfalten zu können. Andererseits gehört das Spiel mit verschiedenen Identitäten zum Beruf wie das hohe C zum Belcanto. Man kann dieses Spiel als Flucht vor dem Ich, vor dem Eigenen betreiben.
Man kann dieses Ich, das Eigene (oder ein Stück davon) aber auch im Anderen, im Fremden suchen – und manchmal sogar finden. In der Kunst wie im Leben.
Das liest sich wie eine gefährlich abstrakte Einleitung, hat aber viel und konkret mit den Beiträgen dieses Heftes zu tun. Zum Beispiel mit den Recitals, die im Medienteil besprochen werden. Angela Gheorghiu bringt ihr erstes CD-Recital seit acht Jahren heraus – und inszeniert sich, kaum zu glauben, als Erbin von Maria Callas, ja, als deren Reinkarnation. Im Booklet: Fotoposen, die die Callas und ihre Aura imitieren sollen. Peinlicher geht’s kaum. Vor allem: Wo bei der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch, Albrecht Thiemann
Das Kronentor des Dresdner Zwingers im Logo, war die Firma «Barock» der DDR einziger Hersteller von Tinte. Blauschwarz quoll das Zeug über die Hände tapsiger Jungpioniere, die keine gütige West-Tante und damit einen brauchbaren Pelikan-Füller vorweisen konnten. Ambivalent ist Dresdens Verhältnis zum Barock bekanntlich bis heute: Das Bemühen etwa, Kriegswunden im...
ARTE
1./7./13./19.12. – 6.00 Uhr
Gesangwettbewerb
«Régine Crespin».
Orchestre National de France, Ber-
trand de Billy. Moderation: Chiara Muti.
2./8.12. – 6.00 Uhr
Paavo Järvi interpretiert
Schumann und Mozart. Deutsche Kammerphilharmonie Bremen. Solistin: Alina Ibragimova.
4.12. – 6.05 Uhr
Musik – ein Fest fürs Leben.
Dokumentation von Alexander Lück und Daniel Finkernagel...
Die Zeitgenossen waren sich einig, dass ein Fluch über dieser Oper schwebt. Erst hinderte der Tod den Komponisten Jacques Offenbach 1880 an der Vollendung seiner «Contes d’Hoffmann», dann brannte bei der Wiener Erstaufführung die Hofoper nieder, einige Jahre später auch der Ort der Uraufführung, die Pariser Opéra-Comique. Immer ging wertvolles Aufführungsmaterial...
