Apropos... Urtext
Frau Equilbey, mit dem Album «The Freischütz Project» leisten Sie Ihren Beitrag zum 200. Jahrestag der Uraufführung von Carl Maria von Webers Meisterwerk. Nach Bruno Weils wenig befriedigender Einspielung aus dem Jahr 2001 ist es die zweite Aufnahme dieser romantischen Oper mit einem Originalklang-Orchester. Was haben historische Instrumente den modernen voraus?
Sie klingen markant anders. Die Streicher des Insula orchestra, das ich 2012 gegründet habe, verwenden Darmsaiten und alte Bögen.
Letztere sind leicht gekrümmt und ermöglichen es, mit mehr Relief zu phrasieren. Der Klang ist gedämpfter, seine Erzeugung geschmeidiger. Bei den Bläsern tönt die Traversflöte viel fragiler und verschatteter als die metallene Böhmflöte, die mehr Vibrato verlangt. Oboe und Klarinette klingen fürs große Publikum nicht flagrant anders, aber sie verschmelzen besser mit Blechbläsern. Weber gebraucht zum Beispiel gern die Klarinetten in tiefer Lage, um zusammen mit den Hörnern orgelartige Mischklänge zu erzeugen. Die Verwendung von Naturhörnern macht im «Freischütz» – der Wald- und Jägeroper schlechthin – den größten Unterschied. Sie klingen holzig, werden oft gestopft gespielt und produzieren wie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2021
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Marc Zitzmann
Das Rumpeln haben sie vermutlich bis nach Karlsruhe gehört. Sehr vielen Menschen fielen in der Hauptstadt jede Menge Steine vom Herzen, als der Bundesgerichtshof im Januar die «Nichtzulassungsbeschwerde» eines Investors ablehnte, mit dem das Land Berlin jahrelang um ein Grundstück direkt neben der Komischen Oper gerungen hatte. Ohne den schmalen, unbebauten...
Zwei Frauen, ein Mann. Nie je in der Geschichte der Literatur, der Bildenden Künste und der Oper war das eine günstige Konstellation. Eine ist immer zu viel. Eine puera robusta, ein weiblicher, kriegerischer Störenfried. Im Fall des musikalischen Kammerspiels «Diàlegs de Tirant e Carmesina» von Joan Magrané, das auf der mittelalterlichen Erzählung «Tirant lo Blanc»...
Tragödien zielen auf die Bedingtheit des menschlichen Lebens schlechthin, Komödien eher auf das Menschlich-Allzumenschliche unter den Bedingungen der jeweiligen Epoche. Weshalb, so ließe sich eine Faustregel des Theaters formulieren, Letztere rascher und gründlicher veralten als Erstere. Im Jahr 1928 gelang Kurt Weill und Bertolt Brecht bekanntlich eine glänzende...
