Apropos... Urtext

Sie zählt zu den wenigen Frauen, die am Dirigentenpult ein internationales Renommee erworben haben. Jetzt hat die Pariserin LAURENCE EQUILBEY mit ihren beiden Ensembles, dem Kammerchor accentus und dem Insula orchestra, Carl Maria von Webers romantische Oper «Der Freischütz» erarbeitet – in Originalklang

Frau Equilbey, mit dem  Album «The Freischütz Project» leisten Sie Ihren Beitrag zum 200. Jahrestag der Uraufführung von Carl Maria von Webers Meisterwerk. Nach Bruno Weils wenig befriedigender Einspielung aus dem Jahr 2001 ist es die zweite Aufnahme dieser romantischen Oper mit einem Originalklang-Orchester. Was haben historische Instrumente den modernen voraus?
Sie klingen markant anders. Die Streicher des Insula orchestra, das ich 2012 gegründet habe, verwenden Darmsaiten und alte Bögen.

Letztere sind leicht gekrümmt und ermöglichen es, mit mehr Relief zu phrasieren. Der Klang ist gedämpfter, seine Erzeugung geschmeidiger. Bei den Bläsern tönt die Traversflöte viel fragiler und verschatteter als die metallene Böhmflöte, die mehr Vibrato verlangt. Oboe und Klarinette klingen fürs große Publikum nicht flagrant anders, aber sie verschmelzen besser mit Blechbläsern. Weber gebraucht zum Beispiel  gern die Klarinetten in tiefer Lage, um zusammen mit den Hörnern orgelartige Mischklänge zu erzeugen. Die Verwendung von Naturhörnern macht im «Freischütz» – der Wald- und Jägeroper schlechthin – den größten Unterschied. Sie klingen holzig, werden oft gestopft gespielt und produzieren wie ...

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Opernwelt Juni 2021
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Marc Zitzmann

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