Apropos ... Theodora
Herr Mehta, nicht wenige Musiker halten «Theodora» für Händels bestes Werk – dennoch wird es nicht gerade häufig aufgeführt. Wie erklären Sie sich das?
«Theodora» enttäuscht erst mal alle, die den Donner und Blitz und die großen Koloraturfeuerwerke von Händels italienischen Opern erwarten. Die Qualitäten liegen eher in der Tiefe und Nachdenklichkeit. Für mich ist es sozusagen Händels «Parsifal» – und genauso himmlische Musik.
Sie singen die Rolle des Märtyrers Didymus, der aus Liebe zu Theodora mit ihr in den Tod geht.
Ist das nicht ein wenig langweilig, nur gut und sittsam sein zu dürfen?
Ich sehe in dieser Rolle eine charakterliche Entwicklung – außerdem sind die Arien von Tempo und Stimmung her ganz unterschiedlich. Für mich ist dieser Soldat nur zu den Christen gegangen, weil er sich in Theodora verknallt hat, ähnlich wie viele junge Männer, die in der McCarthy-Ära als Kommunisten angeklagt wurden, obwohl sie nur eines Mädchens wegen zu den Parteizusammenkünften gegangen waren. Erst im Laufe des Stücks entdeckt er seinen Gott.
Allzu offensichtlich ist dieser Spannungsbogen allerdings nicht.
Okay, wenn man nur die Oberfläche anschaut, könnte man denken, dass in «Theodora» fast ...
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