Apropos ... Grenzerfahrungen
Herr Falk, wird man nicht verrückt, wenn man auf der Bühne permanent in existenziellen Nöten steckt? Brauchen Sie manchmal psychologischen Beistand? (lacht) Das ist ja mal eine Frage! Aber im Ernst: Ich glaube, dadurch, dass ich mich immer schon für Grenzerfahrungen interessiere, suchen mich diese Rollen.
Wie nähern Sie sich solchen Rollen? Ganz aktuell Thomas, der den Tod seines Lebenspartners miterlebt und verkraften muss.Bei guter Musik und gutem Text spricht es zu mir.
Die emotionalen Zustände und Konflikte schälen sich dann automatisch aus mir heraus und drängen nach Ausdruck. Die Vorinterpretation eines Zustandes durch Musik und Text evoziert bei mir den Ausdruck. Ich versuche erst gar nicht zu analysieren, weil bei einer Grenzerfahrung, die aus dem Unterbewussten kommt, die Ratio im Wege steht.
Einen Menschen zu spielen, dessen Lebenspartner auf der Intensivstation stirbt, ist nicht verstörend? Für mich ist es das überhaupt nicht. Die szenischen Proben haben allerdings noch nicht begonnen. Da kann natürlich noch Abenteuerliches passieren. Bei der Auseinandersetzung mit dem Stoff spielt das Schwulsein für mich gar keine Rolle. Es geht um einen Menschen, der einen geliebten ...
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Opernwelt April 2022
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Sabine Weber
Es gibt einen Moment in dieser Inszenierung, an dem sich Opernhandlung und Künstlerbiografie berühren: Andreas Homoki und sein Bühnenbildner Paul Zoller zeigen Menschen mit Koffern auf einem Ozeandampfer – jedenfalls lässt sich in dem mit stilisierten Rettungsringen ausgestatteten Treppenturm, der im zweiten Bild die Szene dominiert, eine Schiffsreling erkennen....
Am 23. Februar war die Welt des Valery Gergiev noch in bester Ordnung. An der Mailänder Scala dirigierte Gergiev die Premiere von Tschaikowskys «Pique Dame», die wenigen, zaghaften Buhrufe vor dem ersten Takt wird er vermutlich nicht einmal vernommen haben. Im Weghören war der russische Dirigent immer schon ein Großer; was ihn nicht interessierte, existierte nicht....
Es gibt viele Lieder, «die heute vergessen und abgetan sind», schreibt Thomas Mann 1930 in den Erinnerungen an seine Mutter und bricht eine Lanze für Eduard Lassen, «einen Musiker etwas süßlichen Geschmacks …, der es aber ein paarmal in Verbindung mit Heinrich Heine zu einer sensitiven Ironie des Ausdrucks bringt, die mir unvergesslich ist». Am Ende des 19....
