Dieser seltsame Duft von Déja vu
Die Ära von Roland Geyer, dem Gründungsintendanten des Theaters an der Wien, neigt sich mit einer Produktion ihrem Ende entgegen, die wenig typisch ist für das Haus, an dem sich in den letzten Jahren Großtaten wie etwa Tatjana Gürbacas kühne «Ring»- Dekonstruktion ereigneten. Kurz vor der wegen Generalsanierung nötigen Schließung des Stammhauses und der Übernahme des Chefsessels durch Stefan Herheim erzeugt die «Jenůfa»-Inszenierung der designierten Wiener -Volksoper-Intendantin Lotte de Beer vielmehr einige seltsame Déjà-vu-Momente.
Das erste Déjà-vu ist die Ausstattung: Christof Hetzer hat ein wandelbares Gebilde aus schrundigen Mauern, Treppen und Kammern auf die Bühne gesetzt, das in seiner Mischung aus Hyperrealismus und Abstraktion der Opernästhetik der 1970er-Jahre entspricht. Auch Jorine van Beeks Kostüme bemühen mit üppiger Folklore, Masken-Mummenschanz, Trachten, Uniformen und grauer Gefängniskluft Erinnerungen an die Zeiten herauf, als man beim TV-Ratespiel «Erkennen sie die Melodie?» Opern noch anhand von Kulisse und Kostüm zuordnen konnte. Das zweite Déjà-vu betrifft de Beers Konzept, mit dem sie ihrem Hang zu tiefenpsychologischen Konstruktionen treu bleibt. Die ...
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Opernwelt April 2022
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Regine Müller
Wie haben wir ihn nicht geschmäht: als Traditionalisten, als Katholiken, gar als Boulevardisten. Das war zu Zeiten, da Darmstadt noch den Vatikan der Neuen Musik beherbergte. Sie sind längst vorbei. Heute blickt man entspannter auf die Musik von Francis Poulenc, zum Beispiel auf die «Dialogues des Carmélites», Poulencs religiöse Oper von 1956 – zumal wenn sie so...
Die Sopranistin Jeanine De Bique stammt aus der Karibik, genauer: aus Trinidad and Tobago. Sie studierte in New York, gehörte dem Ensemble der Wiener Staatsoper an, verkörperte u.a. die Susanna («Le nozze di Figaro») in San Francisco, Annio («La clemenza di Tito») bei den Salzburger Festspielen und die Alcina in der gleichnamigen Händel-Oper in Paris (siehe OW...
Herr Falk, wird man nicht verrückt, wenn man auf der Bühne permanent in existenziellen Nöten steckt? Brauchen Sie manchmal psychologischen Beistand? (lacht) Das ist ja mal eine Frage! Aber im Ernst: Ich glaube, dadurch, dass ich mich immer schon für Grenzerfahrungen interessiere, suchen mich diese Rollen.
Wie nähern Sie sich solchen Rollen? Ganz aktuell Thomas,...
