Apropos... Gerechtigkeit
Frau Polaski, am Ende von Janáceks Oper muss die Küsterin für den Mord an Jenufas Kind in den Knast. Finden Sie das eigentlich gerecht?
Die Frage ist doch, was schlimmer ist: weiterzuleben und sich mit dem auseinandersetzen zu müssen, was man getan hat, oder etwa die Todesstrafe, die ja auch denkbar wäre. Ich bin mir da nicht sicher, was ich selbst wählen würde. Obwohl es fürchterlich ist, jeden Tag mit dem Bewusstsein einer schweren Schuld aufzuwachen, sehe ich darin auch die Chance, durch die Auseinandersetzung zu wachsen.
Und ich denke, dass die Küsterin so eine Entwicklung durchmachen wird. Sie ist ja eigentlich ein denkender Mensch, der immer nur das Beste gewollt hat.
In Aufführungen bekommt sie allerdings oft hexenhafte, dämonische Züge…
Für mich ist die Küsterin im Grunde ein guter Mensch, der durch die bittere Lebenserfahrung und gesellschaftliche Zwänge verhärtet ist. Am Ende zeigt sie eine Größe, die mich immer wieder persönlich bewegt: Es ist der Moment, in dem sie bekennt, dass sie sich selbst mehr geliebt hat als Jenufa.
Sie kommen zwar aus den USA, aber ebenfalls vom Land. Erinnern Sie die Verhältnisse in Jenufas Dorf an die Umgebung, in der Sie aufgewachsen sind?
Eigen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Dallas wird in der Popkultur gern als Hauptstadt der Öl-Barone porträtiert. Ganz im Gegensatz zu diesem Klischee hat der vom Öl herrührende Reichtum aus Dallas während der letzten Jahre zunehmend eine Kulturstadt gemacht. Nicht erst mit dem Morton H. Meyerson Symphony Center, entworfen von dem berühmten Architekten I. M. Pei, mit dem Kimball Art Museum und unlängst...
Haydn auf der Opernbühne – auch im Jubiläumsjahr ist das die Ausnahme. Die Zürcher Oper kann sich rühmen, sein heiteres Pastoraldrama «La fedeltà premiata» aus der Eszterházy-Zeit immerhin schon einmal, 1975, zehn Jahre nach der ersten Edition, auf die Bretter gebracht zu haben: damals in Szene gesetzt vom großen Jean-Pierre Ponnelle, als Schäferspiel im Ambiente...
Amadeus, der grelle Faun, beim Billardspielen komponierend, den Damen keck unter die Röcke greifend: Tom Hulce hat ihn bei Milos Forman so dargestellt. Solch triviale Popularität, die Mozart sich vermutlich nicht gewünscht hätte, hat Joseph Haydn nie erreicht, und so ist das diesjährige Jubiläum des Komponisten (zur 200. Wiederkehr seines Todestages) auch weit...
