Apropos... Gerechtigkeit

Auf der Bühne muss Deborah Polaski oft über Leichen gehen. Als Elektra leistet sie regelmäßig Beihilfe zum Doppelmord. Doch im April packt sie selbst an und beseitigt als Küsterin das neugeborene Kind ihrer Stieftochter Jenufa.

Frau Polaski, am Ende von Janáceks Oper muss die Küsterin für den Mord an Jenufas Kind in den Knast. Finden Sie das eigentlich gerecht?
Die Frage ist doch, was schlimmer ist: weiterzuleben und sich mit dem auseinandersetzen zu müssen, was man getan hat, oder etwa die Todesstrafe, die ja auch denkbar wäre. Ich bin mir da nicht sicher, was ich selbst wählen würde. Obwohl es fürchterlich ist, jeden Tag mit dem Bewusstsein einer schweren Schuld aufzuwachen, sehe ich darin auch die Chance, durch die Auseinandersetzung zu wachsen.

Und ich denke, dass die Küsterin so eine Entwicklung durchmachen wird. Sie ist ja eigentlich ein denkender Mensch, der immer nur das Beste gewollt hat.

In Aufführungen bekommt sie allerdings oft hexenhafte, dämonische Züge…
Für mich ist die Küsterin im Grunde ein guter Mensch, der durch die bittere Lebenserfahrung und gesellschaftliche Zwänge verhärtet ist. Am Ende zeigt sie eine Größe, die mich immer wieder persönlich bewegt: Es ist der Moment, in dem sie bekennt, dass sie sich selbst mehr geliebt hat als Jenufa.

Sie kommen zwar aus den USA, aber ebenfalls vom Land. Erinnern Sie die Verhältnisse in Jenufas Dorf an die Umgebung, in der Sie aufgewachsen sind?
Eigen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2009
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Auf der Probebühne

Im Zuge der durch Maria Callas angestoßenen Wiederentdeckung von Bellini brachte die Met 1963 eine unverblümt altmodische Produktion von «La sonnambula» mit Joan Sutherland heraus. Die letzte Serie (November 1972) war mit Renata Scotto und Nicolai Gedda besetzt. Seitdem gab es in New York nur noch konzertante Aufführungen, zuletzt im Februar 2008 – eine vorzügliche...

Starttheater für den Markt

In der stattlichen Diskografie von Puccinis «Madama Butterfly» nehmen die Produktionen der EMI vordere Plätze ein. Fast unerreicht in ihrem unsentimentalen, fast schroffen Habitus ist Gianandrea Gavazzenis Mono-Einspielung von 1954 mit Victoria de los Angeles und Giuseppe di Stefano. Herbert von Karajans klangsinnlichere Version aus dem folgenden Jahr, mit Maria...

Lulu lässt grüßen

Von Londons Bussen heißt es, erst käme keiner – und dann gleich drei auf einmal. Ähnliches könnte man von «Partenope» sagen. Für die zweite Londoner Akademie Händels geschaffen, inspiriert von der Opera seria neapolitanischer Faktur, war dieses 1730 uraufgeführte Werk lange ein Geheimtipp für Kenner– trotz bemerkenswerter Aufführungen wie etwa jene 2001 bei den...